Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KEINER MELDET SICH – ABER VIELE WERDEN GENANNT

Ablehnung erneuter Kandidaturen bei der Gemeinderatsvorsitzenden-Wahl

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 2. April 1879 · Seite 4
960 schast richtete er einige zweckgemäße Worte an die anwesenden Wahlberechtigten, worin er hervorhob, daß die hier beabsichtigte Vorwahl erhöhte Wichtigkeit insofern habe, als die Zahl der diesmal aus dem Innsbrucker Gemeinderathe Ausscheidenden eine ungewöhnlich hohe sei. Es seien sieben Herren neu zu wählen und man möge in Erwägung ziehen, daß diese Wahl als Vorspiel für die demnächst bevorstehenden Reichsraths - Wahlen betrachtet werden könne. Jedem aufrichtig liberal Gesinnten müsse daher daran gelegen sein, anerkannt liberalen Persönlichkeiten den Wahlsieg zu verschaffen. Der Vorsitzende nennt hierauf die ausscheidenden Gemeinderäthe und ersucht die Versammlung, es mögen sich die Kandidaten aus ihrer Mitte zur Bewerbung um das Vertrausamt nielden. Diesem Wunsche wird nicht entsprochen; in Folge dessen äußert sich Herr Dr. Duregger dahin, es habe den Anschein, daß in dieser Hinsicht wie in den Vorjahren die Bescheidenheit vorwalte, weßhalb man sich zu einer Probewahl gezwungen sehe. Zu diesem Behufe dürfte sich die Nennung von Kandidaten als ersprießlich erweisen. Er selbst bezeichnet die Herren Prof. Dr. E. Albert, Dr. Falk, I. G. Knoll und Baurath Wild als solche Herren, welche einer event. Wiederwahl nicht abgeneigt erschienen. Prof. Dr. Ullmann habe dieselbe ganz entschieden abgelehnt und könne daher dessen Person für diesen Zweck nicht weiter inBetracht kommen. Die Herren Direktor Biehl und Oberinspektor Goeblseien nach anderen Orten übersiedelt und demzufolge gelte von ihnen das Gleiche. Hierauf erwidert Hr. Baurath Wild, daß er ersuche, ihn mit einer Wiederwahl zu „ verschonen. " Es träten gerade jetzt an den Gemeinderath Fragen von technischer Natur heran und es würde ihm schwer fallen, weiterhin solchen Anforderungen an seine Arbeitskraft vollauf Genüge zu leisten. Dr. Falk erklärt, es sei nicht richtig, was Dr. Duregger behauptet habe. Er habe die Annahme einer eventuellen Wiederwahl nicht in Aussicht gestellt. Er habe schon in zwei Wahlperioden dem an ihn ergangenen Rufe Folge geleistet und müsse es offen aussprechen, daß er ein drittes Mal sich nicht hiezu veranlaßt fühle. Er wisse nämlich, daß er weder mit den übrigen Mitgliedern des Gemeinderathes, noch mit der Wählerschaft sich in Betreff gewisser Fragen im Einklänge befinde. Es werde demnächst die Redoutensaal - Frage an den Gemeinderath herantreten und im nächsten Triennium müsse diese unbedingt zum Austrage gelangen. Er sei in dieser und anderer Hinsicht abweichender Meinung, wolle auch seine Gründe nicht detaillirt darlegen, weil er dann zu weitschweifig werden müßte. Maßgebend für seine Verzichtleistung sei übrigens auch noch die politische Frage. „ Wir sind liberale Wähler. " Solche haben ihn gewählt und unter dieser Aegide ist er in den Gemeinderath eingetreten. Er werde auch, so lange er athme dieses Losungswort, das des Liberalismus, aufrechterhalten.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. April 1879, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4003-ablehnung-erneuter-kandidaturen-bei-der-gemeinderatsvorsitzenden-1879).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Wirtshäuser, Hotels & Kuranstalten“

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |