Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
40 PRÄMIEN FÜR TREUE DIENSTE

Vertheilung der Dienstbotenprämien der Sparkasse an treue Veteranen der dienenden Klasse

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 27. Dezember 1879 · Seite 4 · #Dienstboten
(Die Vertheilung der Dienstbotenprämien) der hiefigen Sparkasse fand vorgestern um 3 Uhr Nachmittags im dichtgefüllten Saale derselben statt. Der Sparkaffe - Borstand, Herr Altbürgermeister Adam, eröffnete diese schöne Feier, die nicht nur für die Betheiligten und deren Dienstgeber, sondern für alle Anwesende stets rührend und herzerfreuend ist, mit folgender Ansprache: „ Der Sparkasseausschuß hat für das Jahr 1879 die Vertheilung von 40 Dienstbotenprämien beschlossen, aus welche solche Dienstboten Anspruch machen können, die während eines Zeitraumes von wenigstens 25 Jahren ununterbrochen bei einem und demselben Dienstgeber gedient, davon wenigstens 10 Jahre hier in Innsbruck, die übrigen in nächster Umgebung zuzebracht haben und noch in Diensten stehen. Es haben sich hiefür 72 Kompetenten gemeldet, von denen mittlerweile 3 gestorben find; von den erübrigenden 69 mußten 26 abgewiesen werden, weil sie die Bedingungen der Ausschreibung nicht erfüllten und 3 konnten trotz der entsprechenden Qualifikation nicht berücksichtigt werden, weil die Zahl 40 schon erreicht war. Unter den zu Prämiirenden befindet fich eine Person mit 54 Dienstjahren, eine mit 50, fünf zwischen 40 u. 50, 16 zwischen 30 u. 40 und 17 Personen zwischen 25 u. 30 Dienstjahren. Es freut mich nun, diesen würdigen Veteranen der dienenden Klasse durch Ueberreichung der Prämien die so wohlverdiente Anerkennung für treue Pflichterfüllung bethätigen zu können. Sie verdienen diese Anerkennung in vollstem Maße, denn sie haben den innigsten Antheil genommen au den freudigen, wie an den traurigen Schicksalen ihrer Dienstgeber, haben ausgeharrt in Hellen wie in trüben Tagen und nichts konnte ihre Treue, ihre Anhänglichkeit erschüttern. Wie viele schlaflose Nächte, wie viel Sorge und Kummer, wie viel Trübsal und Schmerzen haben fie in dieser langen Reihe von Jahren durchgekostet und mit welcher Aufopferung find fie ihren Dienstgebern zur Seite gestanden - Mit Geld können solche Dienste nicht ausgewogen werden -, die Betreffenden müssen ihren Lohn in ihrem eigenen Bewußtsein, in dem Danke ihrer Dienstgeber, in der achtungsvollen Anerkennung finden, die solcher Hingebung von allen Seiten gezollt wird. Die Sparkasse glaubt auch nicht, solche Verdienste durch ihre Gabe auch nur annähernd genügend gewürdigt zu haben, fie wollte ihrerseits nur öffentlich ihre Anerkennung aussprechen und zur Nachfolge ermuntern.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. Dezember 1879, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4110-vertheilung-der-dienstbotenpraemien-der-sparkasse-an-treue-1879).

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