(Die Hofkirche.) Die „ Wiener Abenvpost ". veröffentlicht ein Feuilleton aus der Feder Jakob v. Falke ' s, eines hervorragenden Kunsthistorikers, in welchem der gegenwärtige Zustand der Hofkirche dahier einer herben Kritik unterzogen wird, die aber, weil vollständig gerechtfertigt, vielleicht den Anstoß zur gründlichen Restauration dieses monumentalen Bauwerkes geben dürste. Dr. 0. Falke beklagt die glaublich Anfang » der 40er Jahre restaurirte Faxwe, als ein Denkmal der Bureau Architektur des 19. Jahrhunderts, die es glücklich zu Stande gebracht hat, daß ein hallenartiges Renaissance - Portal, das ste übriggelaffeu hat, wie von anders woher verpflanzt, wie angeklebt aussieht. Im Innern der wunderschönen, offenen, freien, dreischiffigen Halle findet er den Zopf eingezogen mit all seiner Langweiligkeit und seinen sinn und reizlosen Schnörkeln. Alles ist grau, grau von Farbe uns von Schmutz, vernachlässigt, von Staub bedeckt. Er tadelt die Fülle von Bildern und von Bildchen, Täfelchen und Sächelchen, die, wenn auch als Zeichen frommer Verehrung an den Wänden herumhängen; denn an einem Orte wie an diesem, der selber ein Denkmal ist und ein gewaltiges, dem Kaijerhause angehöriges Denkmal in fich schließt, haben wir ein Recht, auch nach der Aesthetik zu fragen. — Die ehernen Heldenfizuren, die den Sarkophag umstehen, fährt Herr v Falke weiter, ersterben unter Staub und Schmutz, der fich um so fester setzt und um so dichter lagert, als die in starkem Relief gehaltenen Dessrns der Prachtgewänder bequeme Vertiefungen bilden. Ja ste find zum großen Theile mit schwarzer und grüner Oelfarbe überstrichen, vermuthlich um die blanke Patina zu tödteu, welche das Metall seiner Art und Eigenschaft nach mit der Zeit angenommen chatte. Wo die Oberfläche glatt ist, wie namentlich ans den Gewändern einiger weiblicher Figuren, wo Oelfarbe, Schmutz und Staub fich nicht halten konnten over vom vorüb rwandeuwen Publikum abzewi cht wurden, da ist die Bronze in reizenden Tönen glanzens patinirt. Es stno aber nur einzelne Stellen, die eben eine Idee geben, wie das Ganze fein könnte und müßte. Aber dieses Ganze erstirbt als Bronce unter seiner grauen Hülle.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. Oktober 1880, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4205-kritik-an-der-hofkirche-durch-jakob-v-falke-in-der-wiener-abendpost-1880).
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