Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DER TRAURING ALS KAUFPREIS DER FRAU

Populäre Vorlesung über Berlobungsring und Trauring in der erneuerten Aula

(populäre Vorlesungen.) Mit dem Bortrage des Herrn Professors Dr. Schiff er über „ Berlobungsring und Trauring " in der Universitäts Aula am Samstag den 12. ds. hat die Reihe der so ungemein anregend wirkenden und daher mit Recht allgemein beliebten populären Vorlesung « ':, die daS Bindeglied zwischen den G bildeten hiesiger Stadt und der Hochschule bilden, für diese Wintersaison begonnen. Beim Eintritte wurden die Zuhörer von dem neuen Kleide, in dem sich ihnen die Aula zeigte, auf das angenehmste überrascht; der zroße Saal ist mit nicht unbedeutenden Kosten vom Boden bis zur Decke enovi ' rt worden. Das Thema dieses Abends bat besondere Anz ' ehungSkraft tuf die Frauenwelt ausqeübt di ' rohlreich vertreten war Professor Schiffner ühne den Nachweis, dass der jetzt ü liche Trauring der einstige Verlobungsing sei, dass die Beringung lei der Trauung besiehuugSweise Verlobung nicht xrmanischen, sondern röm scheu Ursprungs sei, und dass der Drautring keineswegs ursprünglich ein Symbol der Treue, der Wahrhaftigkeit und der endlosen Dauer des Bundes sei, wie ihn jetzt das Gemüth und die Poesie des Volkes tutet, sonvern dass der Ring aus der Z it stamme, in der noch der Frauenkuf Sitte war, und derselbe reckt prosaisch nichts anderes war, als die Darangbe, die der Mann bei der Verlobung für den Kaufpreis der Frau erlegte, dn er bei Schließung der Ehe zu zahlen hatte.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. November 1881, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4330-populaere-vorlesung-ueber-berlobungsring-und-trauring-in-der-1881).

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