Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TOD OHNE EIGENE RUHESTÄTTE

Selbstmord eines Mannes durch Erfrieren im Garten nach Alkoholkonsum

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 31. Jänner 1857 · Seite 4
176 fyat sich durch vorsätzlichen Selbstmord dem ewigen obersten Richter überliefert. — Eingang seines Testamentes, welches er Tags zuvor selbst sehr ausführlich hingeschrieben hatte, erklärt selber: „ Nach reiflicher Ueberlegung und bei gesunder Vernunft, die mir der Allmächtige gegeben hat, habe ich mich entschlossen, zu seinem unfehlbaren Richterstuhle zu flüchten. " Die Weise dieses Selbstmordes war folgende. Er besuchte, wie gewöhnlich, am 25. d. M. um 4 Uhr Abends daö Gasthaus und trank seine gewöhnliche sehr mäßige Portion Branntwein und unterhielt sich ein Paar Stunden mit Kartenspiel in der gewöhnlichen heiter sarkastischen Laune, beim Nachhausegehen um 7 Uhr ließ er sich eine Maaß Branntwein geben, die er mit sich nach Hause nehmen wolle. Zu Hause angelangt, nahm er eine Holzleiter und stieg mittelst derselben über den Zaun in seinen Garten, und nachdem er sich unter dem Apfelbaume ein Leintuch über den Schnee ausgebreitet, und sich darauf gelegt hatte, hat er, um sich zu betäuben und so dem Erfrierungstode preiszugeben, die ganze Maaß Branntwein hinunter gestürzt. — Morgens am 26. d. M. fand man den Unglücklichen in der Stellung eines Schlafenden. Belebungsversuche durch den Arzt angewandt, waren fruchtlos. Das ist der schauderhafte Vorfall. Ich bemerke noch, daß die hohe geistliche Behörde wider diesen Mann schon früher kirchliche Censuren verhängen wollte, welche auf den letzten Erceß im Wirthshause sonder Zweifel auch erfolgt sein würden. In seinem Testamente drückte er auch den Wunsch aus, in seinem Garten begraben zu werden. Diesem Wunsche konnte nicht entsprochen werden, da die ganze Nachbarschaft dagegen Protest erhob, und er fand seine Ruhestätte auf Anordnung des k. k. Bezirksamtes im nahe gelegenen Walde. " Die Direktion des „ Monte di Pietü " in Mantua hat aus Anlaß des beglückenden Besuches Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin den Beschluß gefaßt, alle Pfänder, auf die kein höherer Vorschuß als 6 Lire gemacht wurde, und auf welche die Rückzahlnng in diesem oder im nächsten Monat fällig wird, den betreffenden Parteien unentgeltlich zu verabfolgen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 31. Jänner 1857, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/440-selbstmord-eines-mannes-durch-erfrieren-im-garten-nach-alkoholkonsum-1857).

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