3767 Herbstmoden. Der frühe Herbst, der seit Wochen schon ohne Kalenderberechtigung sein buntes Wesen treibt, die Blumen entblättert und die Bäume niit gelben Tinten nialt, erweckt fröstelnd das Verlangen nach wärmenden Hüllen, noch ehe die Sommerkleider zu ihrem vollen Rechte gekommen sind. Das eigentliche C o st ü m, aus Kleid und einheitlichem Umhang bestehend, welches in früheren Jahren den Uebergang zu dem, vom Mantel vervollständigten Winteranzug bildete, ist ganz verschwunden. An seine Stelle trat, fast zu uniformmäßig, überall gesehen und getragen, der buntfarbig carrierte Rock mit den: einfarbigen, harmonierenden Spencer aus Tuch, Plüsch oder Sammet. Die Forni des letzteren ist bald die runde Taille mit angesetztem Falten oder platten,, rings in Patten geschlitzten Schoß, bald eine kurze stark geschweifte Schnebben - Taille; seltener ein zierlicher, hinten wenig drapierten Frack. Zur Garnitur, wenn sich die Ausstattung nicht nur auf schöne oder originelle Knöpfe beschränkt, wird vorwiegend die Soutache- Stickerei und die, in den bekannten Brandebourgs mit Knebelschluss gipfelnde Verschnürung verwendet, und da sind wir schnell bei dem Charakteristischsten der heutigen Mode angelangt. Nichts als Verschnürung und Litzenbesatz auf Kleidern, Mänteln und selbst den Hüten, hier natürlich von Gold oder Silber; nur wo es sich um den Ausdruck der Trauer handelt, wird derselbe schwarz auf schwarzem Crepp - Grund gewählt. Die vielen Variationen der, für das Aufnähen auf dem Stosi wie auch für selbstständige Passanwnterie - Figuren in den verschiedensten Breiten vorräthigen Litzen und Tressen näher zu bezeichnen ist schwer. Die bekannte, einfache Soutache, wird jetzt meist hochstehend aufgesetzt; besonders reizvolle Wirkung aber ergeben verschiedene Webearten nebeneinanderliegend oder Litze mit Schnur abwechselnd angewendet. Zur Bereicherung versucht nian neuerdings sogar die Zusammenstellung mit Perlen aus Metall oder metallisch glänzendem Glas zur Füllung der sontachierten Musterfiguren, und ergeben Braun niit Gold oder Bronze, Schwarz zu Stahl u. s. w. ganz besonders hübsche Effecte. Selbstverständlich verlangen diese schweren Besätze auch kräfiige Gewebe, welche sich ihnen in den feinen Tuchen und grobkörnigen Diagonalstoffen bieten. Für weichen, graziösen Faltenwurf, ist der Kaschmir unerreichbar. Ihm bleiben nach wie vor viele Verehrerinnen, besonders seitdem er, begleitet von schönen, nach den reichen Mustern der Schweizer Spachtelstickerei niit den: Schnurstich- Apparat der Nähmaschine gearbeiteten Bordüren ini Handel erscheint. Noch vornehmer ist
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. Oktober 1882, S. 17, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4426-neuheiten-in-der-herbstmodewelt-verschnuerungen-und-litzenbesaetze-1882).
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