Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SEGEN IM SCHATTEN DES VORGÄNGERS

Ernennung des neuen Fürst-Bischofs von Brixen und Würdigung seines Vorgängers

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 11. April 1857 · Seite 9 · #Bischöfe
Extrabeilage zu den Innsbrucker Nachrichten Nr. 82 Vinzenz. durch die Erbarmung Gottes und die Gnade des apostolischen Stuhles Bischof von Brixen, entbiethet allen Gläubigen seiner Diözese Segen und Heil in Jesu Christo unserem Herrn. „ Ich komme zu euch, Geliebteste, im Namen des Herrn. " Der hochselige Fürst- Bischof Bernard, der durch fast volle 27 Jahre diesem Bisthume mit ruhmvollem Eifer als Oberhirt Vorstand, hat am 17. Mai des vorigen Jahres den Hirtenstab mit jenem Wanderstabe vertauscht, den jeder Sterbliche für seine Reise in die Ewigkeit zur Hand nimmt. Er erlag der Last des Amtes und des Alters. Sein Andenken wird nicht blos in dieser Diözese, sondern in weiten, weiten Kreisen gesegnet sein. Ich bin der Erbe seines Amtes, und wie ich hoffe, auch seines Segens: denn zwischen mir und ihm waltete ein Geist der Liebe, wie er nur zwischen Sohn und Vater obzuwalten pflegt. Darum habe ich aber auch an seinem Sarge Thränen geweint, die nicht bitterer hätten sein können. Daß sein Segen auf mir ruhe, dieß bestätigen mir die unzähligen Beweise von Liebe uud Anhänglichkeit, die mir von allen Seiten meiner Diözese seit jener Zeit zugekommen sind, als meine Erwählung zum Fürst - Bischof von Brixen in Folge der allerhöchsten Ernennung Sr. apostol. Majestät, unsers Kaisers Franz Josef I. unb der Bestätigung Sr. Heiligkeit, des Papstes Pius IX.. zur Gewißheit geworden ist. Wie oft habe ich bei dem Gedanken an diese Beweise von Liebe und Anhänglichkeit mit freudigem Danke Gott die Ehre gegeben, und mit dem Psalmisten anbetend ausgerufen: „ Du bist mein Beschützer, o Gott! auf dich will ich hoffen: denn du bist es, der mein Volk mir unterwirft. " Psalm. 143, 2. Das hat der Herr gethan; und es ist wunderbar in meinen Augen. Denn ich bin ja nur ein armer Sohn der heimatlichen Berge, und bringe zum bischöflichen Amte nichts Anderes mit, als daß ich meine Schäflein und seine Hirten kenne. Mit Land und Leuten bin ich von Kindheit an aufs Innigste verwachsen. Jedes Kirchlein, in dem mit Andacht gebetet wird, jedes Haus, in dem noch schlichte, keusche Sitte wohnt, ist meinem Geiste gegenwärtig; alles, was unser liebes Vaterland Gutes und Schönes aufzuweisen hat, machte von Jugend auf den lebhaftesten Eindruck auf mich und trieb mich an, seiner nicht unwürdig zu sein. Möchte ich in meiner neuen Stellung als Nachfolger des heil. Kassian, Jngenuin, Albuin und Hartmann im Stande sein, die Erwartungen, mit denen meine Bisthums - Angehöcigen mir entgegenkommen, auch nur von Ferne und einigermaßen zu erfüllen, und im Geiste dieser heil.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. April 1857, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/460-ernennung-des-neuen-fuerst-bischofs-von-brixen-und-wuerdigung-1857).

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