Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ENGELISCHER GRUSS IN MOSAIK

Erectirung eines neuen Mosaikbildes in der Pötsch'schen Eck-Arcade links am Friedhof

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 8. Oktober 1884 · Seite 6 · #Grabstätten
(Friedhof.) Seit einer Woche ist unser schöner Friedhof um " in neues Kunstwerk reicher geworden, das schon deshalb besonders erwähnt zu w. rden verdient, weil es eine daselbst noch nicht vertretene Kunstgattung repräsentirt: wir meinen das prächtige Mosaikbild in der Pötsch ' schen Eck - Arcade links. Traurigen Gedenkens wurde diese Arcade s. z. von einem fremden „ Künstler" mit einem erbärmlichen „ englischen Gruß " bemalt. Nach baldiger Entfernung dieses Bildes wurde Prof. Rieser in Wien mit der Aufgabe betraut, obenangesührtes Rosenkranz - Geheimnis — weil die Arcade au diese Da,stellung gebunden ist — auf Carton zu zeichnen, nach welchem es in Mosaik ausgeführt werden sollte. Dies ist nun in unserem heimischen Institute geschehen und gewiß zur Freude aller Besucher unseres Friedhofes sehr gut gelungen. Meister Solerti hat damit wieder bewiesen, daß er und seine Schüler ihre Aufgaben vorzüglich zu lösen wissen. Das Bild macht einen äußerst lieblichen Eindruck. Doch wir wollen weder auf die hübsche architektonische Anordnung und die günstige Perspective, noch auf die feine Wiedergabe der faltenreichen Gewandung und der schönen Köpfe dieser plastisch hervortretenden Figuren näher eingehen, sondern nur auf die Principienfrage Hinweisen, welche dadurch gelöst wurde. Es herrschte nämlich bisher vielfach, selbst in maßgebenden Kreisen, die Ansicht, daß Mosaikgemälde für unsere Friedhof - Arcadcn nicht passen dürften, weil der Beschauer denselben zu nahe stehe. Nun einen besseren Gegenbeweis als durch vorliegendes Faclum kann man nicht erbringen; davon kann sich jedermann überzeugen. Das Bild wirkt nicht nur als liebliches Gemälde, sondern cs hat auch noch nebenbei den durch nichts sonst zu erreichenden schimmernden Reiz, der nur der Mosaik eigen ist. Jedenfalls ist uns ein solches Bild weit lieber als manches unserer sehr theuren Monumente. Zieht man nun noch das eine in Rechnung, daß dieses Bild nach Jahrhunderten, wenn die übrigen Gemälde verblaßt, verwittert oder durch Restaurationen verdorben noch ebenso farbenfrisch prangen wird, wie heute, da es eben eingesetzt ist, dann kommt man unwillkürlich zur Ueberzeugung, daß der höhere Preis dieser Malerei durch die Haltbarkeit und Schönheit wohl ausgewogen wird. Namentlich schiene uns die Mosaik bei den rahmenartigen Dccorationen um andere Monumente an Stelle der häufig zu reparierenden Malerarbeit am Platze.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 8. Oktober 1884, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4640-erectirung-eines-neuen-mosaikbildes-in-der-poetsch-schen-eck-arcade-1884).

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