Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BÖSEWICHT MIT DÄMONISCHER KÜHNHEIT

Gefangennehmung des berüchtigten Bandenführers Rosza Sandor nach langen Verfolgungen

Rosza Sandor. Die Gefangennehmung dieses in allen Einzelnheiten absonderlich merkwürdigen Bösewichts erweckt in allen Kreisen der Bevölkerung Ungarns die lehafteste Theilnähme. Ein Berichterstatter der „ Ostd. P. " bringt aus sicherer Quelle folgende zuverläßige Daten über ihn. Rosza Sandor, ein Mann von nahe an 45 Jahren, mittlerer Statur, trägt in seiner ganzen Erscheinung die Merkmale zäher Ausdauer und jener dämonischen Thatkraft, welche erforderlich war, durch eine längere Reihe von Jahren allen Verfolgungen der Sichecheitsorgane bei Tag und Nacht Trotz zu bieten. Im Jahre 1832 wurde Rosza Sandor Deserteur des Regiments Kaiserhusacen Nr. 1; seitdem war er der unstete Bewohner der vielen Tanya ' s auf den Pußten von Czegled, Kecskemet und Szegedin. Im Jahre 1848 und 1849 finden wir den gefürchteten Missethäter als Häuptling jener Guerilla - Bande, von deren blutdürstigem Treiben die verbrannten Häuser und öden Mauern von St. Tomas und Temerin, sowie anderer von Serben bewohnten Orte als traurige Wahrzeichen dastehen. Seit der Errichtung der Gendarmerie war es aber um seine Sicherheit geschehen, denn schon im Jahre 1852 reichte er eine Unterwerfungsschrist bei dem Magistrate von Szegedin und eine zweite bei der Komitatsbehöcde ein, welche jedoch selbstverständlich unbeantwortet blieben. Als endlich im Jahre 1853 Noßlopi, Sarközi ( nachher hingerichtet) und Konsorten plündernd im Lande herumzogen, um Geld von den vermögenden Grundbesitzern zu revolutionären Zwecken zu erhalten, war mit Grund zu vermuthen, daß auch Rosza Sandor sich ihnen beigesellen und mit seiner Kühnheit ihnen ersprießliche Dienste leisten werde. Um diese Zeit wurde auch der Preis von 10. 000 fl. auf seinen Kopf gesetzt, wodurch die Existenz dieses Menschen immer unsicherer wurde, obwohl keine ferneren Räubereien von ihm bekannt wurden. Er mußte oft drei Tage nacheinander fortwährend zu Pferde bleiben, um seinen Verfolgern zu entgehen, während er oft wieder ganz frei und ungestört in der Umgegend von Szegedin, ja ( wie behauptet wird) in der Stadt selbst gesehen wurde. Im Allgemeinen erzählt man sich von diesem Abällino Ungarns so viel des Märchen und Fabelhaften, daß es sehr schwer halten dürfte, das Wahre herauszufinden. Seine am 8. d. Mts. stattgehabte Ergreifung wurde in den Blättern nicht ganz richtig gebracht. Rosza Sandor hatte einen Gevatter Namens Katona Pal, der auf der Tanya draußen gewohnt, und ihm, wie man wissen will, ja wie er sich selbst geäußert hat, seit acht Jahren Unterstand gegeben hat.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 23. Mai 1857, S. 13, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/471-gefangennehmung-des-beruechtigten-bandenfuehrers-rosza-sandor-nach-1857).

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