Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ÖTZTAL MIT ZAHLEN UND GLETSCHERN

Neues Werk über das Oetzthal mit topographischen und klimatischen Mittheilungen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 21. Oktober 1886 · Seite 5
(Das Octzthal in Tirol, eine statistisch topographische Studie von Dr. Fr. Gwercher). Vorliegendes Büchlein zeichnet sich nicht bloß durch seine elegante Ausstattung, sondern auch durch seinen Inhalt aus. Mit vieler Wärme bespricht der Verfasser aus eigener Anschauung die Schönheiten des Oetzthales, das sich vom Inn weg 16 Stunden weit in die Centralalpen bis zum großen Gletscherstocke int Süden erstreckt, und durch die Arlbergbahn in neuester Zeit einen stets wachsenden Zuspruch erlangt hat. In dem allgemeinen Theile führt uns Gwercher die physikalisch topographischen und klimatischen Verhältnisse des Thales vor, und bespricht vor alldeni die Gletscher, Muhren und Ueberschwemmungen desselben mit großer Sachkenntniß und Anführung zahlreicher Daten, die dem Buche einen erhöhten Werth verleihen. Wir möchten nur wünschen, daß dasselbe auch in Tirol und unter dem Volke selbst Verbreitung und Leser finden möchte, für Fremde sei benierkt, daß sich hier neben instructiver Lectüre auch alle nöthigen Reisenotizen finden, wie sie kaum „ Fremdenführer " von Beruf besser und reichlicher zu bieten pflegen. Ueberaus klar und angenehni dargestellt ist die Thätigkeit der Oetzthaler - Gletscher mit ihren zerstörenden und erhaltenden Wirkungen. Interessant ist es, daß zur Zeit des erwachenden Naturgefühles der Geniedichter von dem Wiener Professor I. Walcher eine Broschüre erschienen ist: „ Nachrichten über die Eisberge von Tirol, Frankfurt und Leipzig 1773. " Das Klima des vorderen Oetzthalcs erinnert an den Süden; da der Tschirgant den warmen Sirocco ebenso aus dieses Thal zurückwirft, wie die Frauhütt auf das Innthal bei Innsbruck, so gedeihen bei Oetz Mais, Edelkastanien und sogar Trauben. Bei Umhausen findet man die letzten Obstbäume: der Oetzthaler Flachs ist berühmt. Die Bewohner des Thales, dem Grundstöcke nach wackere Alamannen, besitzen noch viele Volkssagen und haben ihren Charakter treu bewahrt. Im speziellen Theile führt uns der Verfasser die einzelnen Genieinden des Thales vor, die er topographisch und historisch beschreibt. Jeder Ort hat seine Merkwürdigkeit, oder einen berühmten Mann aufzuweisen; so stammen aus Oetz die Brüder Trientl und der Maler Stecher, Habichen ist die Heimath des Glockengießers Graßmayr ( 1801 — 83), in Santens wohnen einige „ Dörcher ", die durch das eingeschaltete Dörcherlied C. v.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 21. Oktober 1886, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4869-neues-werk-ueber-das-oetzthal-mit-topographischen-und-klimatischen-1886).

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