Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
JUDENQUARTETT BRINGT STÜRMISCHE HEITERKEIT

Erfolgreiche musikalische Vorstellung der 'Thpographia' mit stürmischer Heiterkeit und brillanten Leistungen

4 was in der Luft " eingeleitet. Diesem Chore folgten „ Die fidelen Brüder ", ein Quodlibet, wie es kaum ein besseres geben dürfte. Die Ausführung desselben war eine brillante; man hatte hiebei auch Gelegenheit, Stimmen kennen zu lernen, wie sich solcher nicht leicht ein zweiter Gesangsverein berühmen kann. Daß das genannte Quodlibet viel beklatscht wurde, ist Wohl selbstverständlich, wie es denn, um dies gleich hier zu sagen, überhaupt keine Nummer gab, die sich nicht des lautesten Beifalls zu erfreuen gehabt hätte. „ Der Liebesblick " und „die Hochzeit auf Schreckenburg " brachten die Gesellschaft in das Geleise stürmischer Heiterkeit, namentlich erstere Piece durch ihre lokale Färbung. „ Der g ' müathliche G ' moanwirth " von Koschat fand eine geradezu wunderbare Wiedergabe. Daß die Nummer wiederholt werden mußte, sei nur nebenbei erwähnt. Den Höhepunkt erreichte die Heiterkeit, als das Judenquartett die Bühne betrat. Eine Figur war köstlicher als die andere; es wäre ein Unrecht, Einen besonders hervorzuheben, — sie leisteten Alle vorzügliches, sowohl im Gesang, wie im Spiel. Die Juden hätten ihre Sache drei und viermal wiederholen müssen, wenn es die Zeit erlaubt hätte. Die Masken dieses Quartetts, wie die aller anderen kostümirten Darsteller sind vom Friseur Herrn Nicolodi mit größtem Geschick hergestellt worden. „ Die modernen Minnesänger " waren besonders bemerkenSwerth durch die Burgfrau, die ( von einem Herrn dargeftellt) ihre ganze Partie in einem so schönen Falset sang, wie es hier wenigstens noch nie gehört wurde. „ Der Geisterchcr ", eine schaurig lustige Geschichte, beschloß den gesanglichen Theil des Abends. Nach all denr Gehörten ist zu konstatiren, daß die „ Thpographia " über ausgezeichnete Kräfte verfügt, die in einer tüchtigen Schule durchgebildet, — es ist das Verdienst des Herrn Professors Amon Noggler —, mit Fleiß und Ernst ihrer Aufgabe obliegen. Die Leistungen der „ Thpographia ", wie sie heute zusammengesetzt ist, können denen aller anderen hier wirkenden musikalischen Vereine als gleichwerthig au die Seite gestellt werden, wenn sie nicht gar einen oder den anderen im Wettkampfe schlagen würden.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 21. Februar 1887, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4935-erfolgreiche-musikalische-vorstellung-der-thpographia-mit-1887).

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