Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
RICHTER GEGEN REDAKTEUR

Schwurgerichtliche Verhandlung gegen Redakteur Heim wegen Ehrenbeleidigung durch Presseartikel

Beim hiesigen k. k. Landesgerichte als Schwurgerichtshof begann heute 4 Uhr nachmittags unter dem Vorsitze des k. k. Lanvesgeiichtsrathes R v. Ziern seid die Verhandlung über die Klage des Landtags Abgeorvreten und k. k. Ober- Landesgerichtsrathes Dr. Florian Bl aas gegen ten Redakteur der „ Schützenund Wehr - Zeitung " und Mitarbeiter der „ Neuen Tiroler Stimmen " Engelbert Heim, wegen Vergehens gegen die Sicherheit der Ehre nach 8 488, 491, 493 St. - G. Als Rechtskonsulent des Anklägers fungirte Dr. Hellrigl aus Meran und als Vertheidiger des Angeklagten Dr. Wackernell. Der Verhandlungssaal war schon bei Beginn der Verhandlung von Zuhörern vollgepfropft. Der Angeklagte ist 47 Jahre alt, ledig, aus Mittelberg im Bregenzerwalde gebürt g und dorthin zuständig, ist durchwegs gut beleumundet, nie abgestraft, war in seiner Jugend durch 5 Jahre Schullehrer in einer Fraktion seines Heimatsdorfes, begann später zu studiren, absoloirte das Gymnasium und die theologischen Studien, ohne jedoch die Weihen zu nehmen und hat sich in seinem Leben viel mit Journalistik befaßt, die ihm auch jetzt seinen Unterhalt bietet. Er hat auch als Freiwilliger in der päpstlichen Armee gedient und ist im Jahre 1866 auf Kriegsdauer beim vaterländischen Jägerregimente als Kadet- Freiwilliger eingetreten und hat den Feldzug in Südtirol nutzen acht. Vor Beginn des Verhöres mit Herrn Heim verliest der Vorsitzende eine Ehren- Erklärung des Redakteurs der „ Neuen Tir. Stimmen ", Hochw. Herr Nikolaus Recheis, die am Tage nach der Verhandlung gegen Engelbert Heim, also am 12. d. Mts. in dem genannten Blatte zu erscheinen hat, da Herr Dr. BlaaS nur unter dieser Bedingung die gegen Herrn Recheis gerichtete Anklage über seine Bitte zurückzuziehen sich bewogen fand. Aus dem diesbezüglichen zur Verlesung gekommenen Protokolle geht hervor, daß Herr Recheis behauptet, er habe den inkrimirten Artikel gar nicht vor der Drucklegung gelesen, nur bevor der Satz in die Presse kam habe er nachgesehen, ob keine Druckfehler darin seien.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. März 1887, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4952-schwurgerichtliche-verhandlung-gegen-redakteur-heim-wegen-1887).

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