Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TÜNCHEN ÜBER TÜNCHEN AM LANDHAUS

Erfolgreiche Restaurirung des Innsbrucker Landhauses nach langer Zeit

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 15. November 1887 · Seite 4
(Die Restaurirung des Landhauses in Innsbruck) Einhundert und sch zig Jahre sind verflossen, stit Georg Anton Guwp, der wenig gekannte geniale Architekt, den Bau des Landhauses in seiner Viterstadt Innsbruck v. Lendete. Von den Prosanbauten aus alter Zeit, die der Landeshauptstadt immerda zur Zierde gereichen werden, muß wohl in erster Linie das Landhaus genannt werden mit den monumentalen Verhäl nissen seiner, im Mitb lrtsaltte zudem so beforotiö wirksamen Fayade und dem schönen Ho > ' e nut der p ächtigen St. Georgskapelle, deren Stuccod koralion an vornehmen Reichthum der Rocccoornamemik mit jener des Treppenhauses und des großen Saales wetteifert. Fast nüchtern einfach erscheint das geräumige Venibule und jener Theil der Haupt repp, welcher von diesem zum ersten Stockwerke führt Dagegen emsalbt sich in übelraschtNder Weise eine reiche plastische Dekoration der Wände und der Decke des Stiegenhm ses in der Höhe des zw ecken Stockwerkes, unterstützt durch ein schmnveisernes Geländer von brillanter Wirkung, gleichsam daraus vor bereit ' nd, daß man von di r aus den wichtigsten und rchönsten Raum des Humes, den Sltzuist ssoal des hohen Landtages, betritt. Leider war auch an diesem Bauwerke die „Zeit der Tünche ", wie wir sie nennen möchten, keiner Wegs spurlos vorübergegangen, denn ihre übereifrigen Vertreter hasten wie an so vstlen anre en Kunstdenkmalen auch hier Fayade und Jnnelidekorationen mit threm weißen Untrersarmittel verkleistert. Das sah wohl sehr „ schön uno reinlich " aus, und man nannte solches Verfahren „ R novirung ". So becarf es in unserer Z it, die Dank gebesserter Erkenntniß von Kunst und Äunsttechmk, wieder pietätvoller auf die Werke der Vorfahren blickt, nicht nur des Einflusses kunstsinniger Faktoren, sondern auch geschickter Hände, um so vergrabene Kunstwerke in ihrer ursprünglichen Reinheit wieder an ' s Tageslicht zu fördern. Mit Befriedigung können wir wahrnehmen, daß sich dieser günstige Fall auch bei der kü zlich begonnenen Restaurirung des Innsbrucker Landhauses ereignete. Die von Tünche verklebten schönen Stuccoornamente des Stiegenhauses wurden sorgfältig von dieser bedenklichen Kruste befreit, und, wo es m thwerdig geworden, in verständiger Weise ergänzt. Ein Gleiches geschah mit den Cartouchen der Nischen und sonstigen Umrahmungen der Wände und der Decke des reich geschmückten Sitzungssaales und die sorgfältig gereinigten Wand und Deckengemälde erscheinen nun wieder in fast ursprünglicher Farbenfitsche.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 15. November 1887, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5054-erfolgreiche-restaurirung-des-innsbrucker-landhauses-nach-langer-1887).

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