Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HABSBURGER ODER EDICONEN?

Neue Forschungen über die Abstammung des Hauses Habsburg

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. Juni 1888 · Seite 8
8 Reue Forschungen über die Herkunft und Abstammung des Hauses Habsburg. Die Abstammung des Hauses Habsburg von dem uralten elsässischen Herzogsgeschlecht der Ediconen, wie sie von den Genealogen des siebzehnten unv achtzehnten Jahrhunderts, Guillimann, Vignier, Eccard, Lalmet, Herrgott, ^chöpflin, allerdings ohne Beweise behauptet wurde, ist von der historischen Kritik der Neuzeit sehr in Zweifel gezogen worden. Th. v. Liebenan Staate Archivar in Luzern, leugnet dieselbe in einer vor wenigen Jahren im Be lag des Vereins „ Adler " in Wien erschienenen Schrift: „ Die Anfänge des Hauses Habsburg " völlig ab und will die beglaubigte Geschichte des Hauses erst um das Jahr 1000 mit Bischof Wernher von Straßburg, dem angeblichen Erbauer der Habsburg, und seinem Bruder Graf Radbot beginnen. P Martin Kiem laßt in seiner 1883 in den „ Quellen zur Schweizer Geschichte " erschienenen neuen Ausgabe der Chronik des Klosters Muri im Aargau, dieser ältesten Gründung der Habsburger, die Herkunft des Geschlechtes dahingestellt, findet aber wenigstens keinen Grund, an seiner Abstammung von Guntram dem Rüchen (um das Jahr 950), den die Chronik von Muri uns als ersten Stammvater des Hauses und als Gcoßvater res Grafen Ravbot nennt, zu zweifeln. Die historische Forschung ließ sich durch Liebenru ' s starre Negation nicht beirren, sondern beschäftigte sich weiter mit der Frage nach dem Geschlecht Guntram ' S des Reichen. Außer diesem, der nur durch die Chronik von Muri bezeugt wirv und, wie gesagt, um 950 gelebt haben muß, werden uns gleichzeitig zwei andere Guntram genannt, und e? war die Frage zu entscheiden: Sind zwei von diesen drei gleichzeitigen Guntram oder gar alle drei uur Eine Person? Die beiden anderen Guntram sind: 2. Guntram, Sohn Hugo ' s von Egitzheim, des Grafen vom Nordgau im Elsaß, dessen Haus nachweisbar e. n Zweig des EdiconengeschlechteS war. Guntram schenkte zwischen 965 uw 970 dem oon seinem ältesten Bruder Eberhard ( ' s 966) gegründeten Kloster Altorf im Elsaß Besitz in Dorlisheim in der Nähe von Altorf. 3. Guntram, Graf eines nicht bestimmt nachweisbaren Gau ' s ( wahrscheinlich des Breisganes). Er wurde im Jahre 952 auf einem Reichstag zu Augsburg wegen Hochverraths verurtheilt und seiner Reichsleheu verlustig erklärt. Wir besitzen eine ganze Anzahl von Urkunden, in denen diese ReichSlehen anderweitig vergeben werden, wodurch wir über Namen unv Lage von Guntram ' s Besitzungen gut orientirt sind. Nun wies zunächst Dr. W. Gist in Solothurn in einem in den „ Forschungen zur deutschen Geschichte " ( Bd. 26) veröffentlichten Aufsatz deS bestimmtesten
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Juni 1888, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5126-neue-forschungen-ueber-die-abstammung-des-hauses-habsburg-1888).

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