(Die Eröffnungsfeier der Sellrainrr Straße.) Am Sonntag den 15. ds. wurde die Sellrainer Straße feierlich eröffnet. Dieselbe ermöglicht für das an Naturschönheiten reiche Sellrainer Thal den unmittelbaren und kürzesten Verkehr mit Kematen und dem Innthal. Man braucht nicht mehr stellenweise sogar gefährliche Umwege einzuschlagen, um vom Hauptthale in das Seitenthal, um nach Rothevbrunn, dem heilkräftigen Bade für Heilsbedürftige zu kommen, und um den romantischen Reiz von Sellrain, dessen Seitenthälern, Gebirgen unv Gletschern genießen zu können. Es ist nicht mehr noihwendig, daß Gefährte dahin zu lenken, wo an den Thierschutzverein die Lösung mancher menschenfreundlichen Aufgabe herantritt. Man rühmt an der neuen Straße, daß die Steigung gegen Sellrain eine sanfte und mäßige ist, und daß sie die Richtung zwischen hochanstrebenden Felsenwänden, welche mit kostspieligen Mitteln gesprengt werden mußten, und wieder zwischen grünen Wald und Wiesengründen verfolgt. In dieser wohlthuenden Abwechslung von Gestein und Wald, von Wiese und dem schäumenden Gebirgsbach ( Melach genannt), gewährt die Thalschlucht den Anblick einer anziehenden Gebirgslandschaft, wie solche auch in Tirol nur selten vorkommt. Durch den harzduftenden Wald und die frischerquickende Wasserluft (da Straße und Bach nebenher laufen), wirv der Ausflügler und GebirgS- Wanderer wundersam angezogen. An dem Eröffnungstag waren einzelne interessante Stellen durch ausgehängte Flaggen kennbar bezeichnet, Stellen, an denen nämlich durch Fleiß und Ausdauer und durch an ein Wagstück glänzendes Schaffen der Arbeiter der Weg gebahnt und die wildtosende Melach von dem bisher gewohnten Bett verdrängt werden mußte. Und Dank der leitenden Vorsehung, während der ganzen Bauzeit vom letzten D zember 1886 bis 4. November 1887 ist kein einziger bellagenöwerther Unfall vorgekommen. An anderen bemerkenswerthen Gegenständen waren außer den Flaggen auch Fähnchen in den Reichs -, Landesund Schützensalben und Taxzewinre reichlich ausgehängt; das Ganze bot einen prächtigen Anblick. Der Himmel zeigte auch an dem Eröffnungstage ein heiteres Antlitz, wie es vordem nicht der Fall war. Se. Gnaden rer Herr Prälat der Prämonstratenser Stiftes Willen, der hochwst. Herr Lorenz Müller, umgeben assiftirenden Geistlichen oon Kematen, Sellrain und Willen, war erschienen, um die Einweihung der neuen Straße vorzunehmen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. Juli 1888, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5138-feierliche-einweihung-der-sellrainer-strasse-welche-den-verkehr-mit-1888).
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