Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KLAPPERGEIST MIT KLAPPERSCHMERZEN

Erscheintung eines seltenen Nervenleidens mit clownähnlichen Bewegungen im Wiener Krankenhause

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 5. März 1890 · Seite 6
(Eine seltene Krankheit) Im Wiener Allgemeinen Krankenhause befindet sich gegenwärtig ein Patient, der mit einer höchst seltenen Krankheit behaftet ist. Es ist ein 54 Jahre alter Bahnarbeiter, der sich voriges Jahr den linken Zeigefinger so verletzte, daß ihm derselbe im Sechshauser Spitale amputirt werden mußte. Seit dieser Zeit ist die linke Hand in steter Unruhe begriffen und nun steigerte sich dieser nervöse Zustand über den ganzen Körper. Der Patient ist gezwungen, sich stets auf die linke Seite zu drehen und wird im Bette unwillkürlich wie ein Fisch am Trocknen in die Luft geschnellt. Es ist ein Zustand, der vor kurzem in Paris ebenfalls an einem Manne beobachtet wurde der wegen eines Nervenleidens in der Spitalsbehandlung sich befand, jede 5 Minuten seine Wirbelsäule nach rückwärts vollkommen in einem Bogen krümmte und hierauf auf einen Meter in die Luft sich emporschnellte. Die französischen Aerzte benannten diesen Zustand nach den Bewegungen, die denen eines Circusclown ähneln, Clownismus. Professor Kahler demonstrirte in einer seiner jüngsten Vorlesungen diesen Kranken, der, nachdem er sich seines Zustandes bewußt ist, so moralisch deprimirt ist, daß er blos den ganzen Tag weint, und verordnet «, nachdem keine Medikamente nützen, nur moralisch einzuwirken.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. März 1890, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5291-erscheintung-eines-seltenen-nervenleidens-mit-clownaehnlichen-1890).

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