Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MIT DEN MENSCHENFRESSERN AM CONGO

Vortrag des schwedischen Afrikaforschers Theodor Westmark über seine Reisen am oberen Congo

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 20. Jänner 1892 · Seite 4 · #Expeditionen
-, Telfs (30 -, 31.) Im Monat April: Innsbruck Stadt ( 1., 2., 3.) (Bortrag Westmark.) Der schwedische Afrikareisende Premier - Lieutenant Theodor Westmark hielt gestern abends in den Casinolocalitäten der Stadtsäle hier seinen angekündigten Vortrag über die 15 Monate seines Aufenthaltes am oberen Congo und die Stanleyscandale. Das Vortragslocal war mit Zuhörern dicht gefüllt, und gar mancher, der gekommen war, ihn ebenfalls anzuhören. musste vor dem Eingang wieder umkehren. Westmark, der, nebenbei erwähnt, in Frankreich einmal nach einem solchen Vortragsabende, als deutscher Spion verhaftet und trotz Vorlegung der Papiere über Nacht hinter Schloss und Riegel gehalten wurde, ist erst 35 Jahre alt, von schlanker Gestalt und spricht ein wiewohl den Nichtdeutschen verrathendes, doch vollkommen verständliches und gewähltes Deutsch. Das Programm seines Vortrages haben wir kürzlich erst veröffentlicht. Den reichen Inhalt hier wieder zu geben, mangelt uns der Raum. Vernichtend ist seine bereits in unserem Blatte vom 8. ds. nach seinem Wiener Vortrag skizzierte Kritik Stanleys. Wie es mit des letzteren Bildung bestellt ist, zeigt u. a. ein Rundschreiben, in welchem er seinen Untergebenen erklärt, er wolle sie lehren unterscheiden zwischen Merum und Termn (soll heißen meum und teum). Prächtig war das Gemälde, dass er von dem stellenweise über 30 Kilometer breiten Congo und seinen Ufern entwarf. Zu seinen interessantesten Erlebnissen gehört sein mehr als einjähriger Aufenthalt unter den menschenfressenden Mangalas am oberen Congo. Die Schilderung des Lebens dieser Negerstämme erregte vielleicht das lebhafteste Interesse der Zuhörer und mehr als einmal gieng ein Murmeln des Staunens oder lebhafte Heiterkeit durch den Saal. Ein reicher Kindersegen ist für die Mangalas ein Capital; die Mädchen werden an den um sie Freienden verkauft. Um 3 Sclaven, etliche leere weiße Flaschen und Glasperlen, die der Vater des Mädchens erhält, wird dieses die Frau des Käufers. Einer der grässlichsten Punkte im
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. Jänner 1892, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5533-vortrag-des-schwedischen-afrikaforschers-theodor-westmark-ueber-1892).

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