Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KUNST OHNE GRENZEN IM ADLERSAAL

Mertensche Jahresausstellung im Adlersaal mit reicher Kunstwerksauswahl

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. Mai 1892 · Seite 9
Uon der Merten IahresaussteUung im Adlersaale. Wieder erschließt sich der schöne Adlersaal dem Unternehmen des Herrn Franz Reichhart, akademischen Bildhauers, die Schaulust des hiesigen Publicums, sowie der Besucher unserer anziehenden Provinzial - Hauptstadt durch eine Reihe von Kunstobjecten zu befriedigen. Und eine stattliche Anzahl ( über 150 Gegenstände) heimischer, deutscher, spanischer, italienischer und holländischer Künstler von namhaftem Rufe hat sich aufgemacht, diese Sommersammlung zu beschicken. Keine Kunstart blieb da unberücksichtigt. Das historische und religiöse Oelbild ist ebenso wie Genre -, Thierstück, Landschaft und Stillleben vertreten, wir sehen eine ziemliche Anzahl von Aquarellen, die ebenfalls die verschiedenen Kunstreiche präsentieren, und selbst der Plastik und dem Graphischen ist ein Theil des Feldes eingeräumt. So stellt Hugo Barthelnw aus München zwei Oelgcmülde aus. Das größere, figurenreiche, religiösen Inhalts trägt den Titel: „ Berufung des hl. Petrus und Andreas zum Apostelamte ", und ist eine, der Würde des Gegenstandes gemäße große und klare Cvmposition in gediegener Gruppierung, mit ruhiger Farbengebung und schönen Faltenwürfen. Von demselben Meister rührt eine Madonna her. Eine Madonna « Mia vigna in plein air hat Hans Schramm aus Wien geliefert, welchem Künstler auch „ Der Traum der Vergangenheit" entstammt. In diesem Bilde sitzt eine einsame, sinnende Frauengestalt mit einem Kinde in den Ruinen eines Amphitheaters. Jedenfalls ist ihr Sinnen glücklicheren Zeiten zugewandt, de en auch ihre geschmückte Außenseite entspricht. Folgende Genrebilder werden sich sicher Freunde erwerben und allgemeinen Beifall finden: so Gnabels „Wo ist ' s Deandlin welchem ein Bauernbursch, zur Thür hereintretend und diese weit öffnend, nach dem Mädchen forscht, das indessen von ihrem Spinnrad aufgesprungen, sich lachend auf die Ofenbank retiriert hat. Gewiss eine heitere Scene mit prächtiger Mache. Heinrich Weber nennt seinen lebensreichen Schwank „Aus der Zeit der Wanderjahre ".
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Mai 1892, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5571-mertensche-jahresausstellung-im-adlersaal-mit-reicher-1892).

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