Atts KLadt « Ad LaNd. (Nachahmenswert.) In letzter Zeit haben einzelne Hoteliers und Restaurationsinhaber im Lande begonnen, bei der Ausschmückung ihrer Gasträume auch die tirolische Kunst zu berücksichtigen, wie dies z. B. im Cafs Kusfeth in Bozen mit den von Kompatscher - Prugger angefertigten Büsten des Kaiserpaarcs, oder im Cafä- Restaurant „ Walther von der Vogelweide " mit den Walther Gemälden der Fall ist, vom „ Batzen- Häusl ", oder vom Speisesaal beim „ Lampl " in Klausen oder von dem letzthin abgebrannten „ Lerchenhof " in Mieders gar nicht zu sprechen. In allen diesen Etablissements haben tirolische Künstlerwerke bevorzugte Heimstätten gefunden, zum Unterschied von leider noch immer sehr zahlreichen Tiroler Hotels u. s. w., in denen neben einer sonst oft luxuriösen Ausstattung geschmacklose ausländische Fabrikate an Oeldruckdildern oder plumpe Gipsfiguren ein trauriges Zeugnis geben von dem Mangel an Kunstsinn und gutem Geschmack. Geradezu wohlthucnd muss es daher auf jeden vaterländischen Kunstfreund einwirken, zu sehen, wie Herr Kreid, der Obmann der Innsbrucker Genossenschaft der Gastwirte, den neuen schönen Spcisesaal in seinem ^ renommierten Hotel durch einen der tüchtigsten Tiroler Künstler mit „ Defregger - Bildern " schmücken ließ. Herr Josef Schretter, sonst als Porträtmaler besonders gesucht und bevorzugt, hat hier gezeigt, wie trefflich er die Gestalten Defreggers aufzufassen und trotz der kurz bemessenen Zeit in flotter, charakteristischer Weise und ausgezeichneter Farbenwirkung wiederzugeben verstanden hat, so dass die drei Andreas Hofer - Gemälde im Hotel Kreid sicher die meisten der in Menge verbreiteten Defregger - Copien weitaus überragen. Herr Schretter, der sowohl seinem heimatlichen Oberinnthale als auch der Münchener Akademie alle Ehre macht, hat auch nicht umsonst die bedeutendsten Galerien Europas zu seinen Studien besucht, wovon eine große Zahl sowohl im Privatbesitz als auch im A. elier des Künstlers in München befindlicher Originalbilder und jetzt wieder diese, dem heute berühmtesten Tiroler Maler so überraschend nachempfundenen Darstellungen aus der Heldengeschichte unseres Volkes Zeugnis geben. Man kann sowohl Meister Schretter als auch Herrn Kreid zu diesen Bildern bestens gratulieren und im übrigen nur lebhaft wünschen, dass dieses Beispiel Nachahmung finden möge zur Ehre der stets patriotischen tirolischen Gastwirte und zum Nutzen und Frommen der gerade in unserer materiellen Zeit umso weniger auf Rosen gebeiteten vaterländischen Kunst.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. Oktober 1892, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5637-schmucke-erneuerung-im-hotel-kreid-durch-tirolische-kunstwerke-1892).
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