Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WEINGEIST ALS MILCHANKER

Empfehlung eines bewährten Mittels gegen Milchabnahme bei Kühen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 1. Juli 1854 · Seite 5
Uekoiwmie und Hartenkau - Äeilung. Bewahrtes Mittel für Kühe, die an der Milch Nachlassen. Ein für Qekonomen, besonders aber für Hausfrauen, gar unangenehmer Uebelstand ist der, wenn Kühe oft plötzlich, ohne krank zu sein, an der Milch Nachlassen, d. h. weniger Milch geben, als man bei der fortbestehenden Fütterungsweise bezüglich der Quantität und Qualität gewöhnlich von ihnen erhielt. Es ist dieser Umstand um so unangenehmer, als er häufig vorkommt und in den allermeisten Fällen durchaus keine Ursachen hierfür aufzufinden sind, indem sich bei solchen Kühen in ihren sonstigen Lebensäußerungen gar nichts Krankhaftes auffinden läßt, sie gehörig fressen und Wiederkäuen, das Euter gesund erscheint u. s. w. Man hat dagegen allerlei Mittel vorgeschlagen. Ein solches besteht in wiederholtem Einreiben des Euters mit Weingeist ( Branntwein), um in diese Theite die zu deren Verrichtungen nöthigen Stoffe zu ziehen. Trockene Reibungen längs der s. g. Milchadern, reichliche mehlige Nahrung und bei starken, vollsaftigen Thieren ein Aderlaß, unterstützen diese weingeistigen Einreibungen in ihrer Wirksamkeit. Wenn nach der Geburt die Milch nicht eingetreten ist, sott man das Kalb möglichst oft au dem Euter saugen taffen, indem dadurch die Drüsen angeregt werden und so endlich die Milchabsonderung sich einstellt. Diese Behandlung hat wohl schon manchmal guten Erfolg gehabt, jedoch nicht immer; dagegen haben sich nachstehende Mittel sicher und schnell wirkend gezeigt, und ich kann sie, auf Erfahrung beruhend, in verkommenden Fällen von Nachlassen der Milch bei sonstiger guter Gesundheit der Kühe empfehlen. Man nimmt gepulverten Fenchel und Dillsamen, von jedem 3 Loth, und gibt diesen mit yi Maß lauwarmen Wasser oder süßer Milch dem Thiere nüchtern ein. Auf angefeuchtetes Futter können diese Mittel auch gegeben werden. — Wenn nach 48 Stunden eine vermehrte Milchabsonderung noch nicht eingetreten sein sollte, so wird die Anwendung wiederholt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Juli 1854, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/57-empfehlung-eines-bewaehrten-mittels-gegen-milchabnahme-bei-kuehen-1854).

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