Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GRÜNER ATEM IN DER BAUWÜSTE

Vernünftiger Plan einer öffentlichen Gartenanlage in neuen Stadttheilen Innsbrucks

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 9. November 1895 · Seite 33 · #Bauordnung
November. Gin vernünftiger Waupkün. Die lebhafte Bauthätigkeit unserer Stadt bringt es mit sich, dass der Einzelne jeden hübschen günstig gelegenen Platz in für sich vortheilhafter Weise zu verbauen trachtet, da er ja, beim Mangel s an guten Stadtwohvungen, sicher sein kann, dass jj er sofort alles günstig vermiethen wirb. Die jj Folgen dieses leichtverständlichen Baueifers treten j aber allmälig deutlich zu Tage: Innsbruck wird jj voraussichtlich ein zusammenhängendes Häusermeer j von Zinskasernen werden, ohne jede Spur eines s für die gesundheitlichen Verhältnisse der Stadt j bevölkerung sc nothwendigcn grünen Platzes innerhalb seiner Mauern. Wir waren daher sehr erfreut, auf dem Umwege über Bozen eine Nachricht zu erhalten, welche diese Besorgnisse zerstreut. Die „ Bozner Nachrichten " vom 3. Nov. 1895 bringen einen „ Innsbrucker Brief ", der mit folgender Notiz schließt: „ Mit einer öffentlichen städt. Gartenanlage in neuen Stadttheile vor der Realschule, dem! Prof. Lantschnerhaus rc. solls also doch: seine Richtigkeit haben. Die Anrainers kamen den Wünschen der Stadt nach und es er s hält dieselbe eine nothwendige vielgewünschte An - I läge, ein das Auge und Gemüth erquickendes! Stück grünen Bodens in den staubigen Straßen. " I Die aufrichtige Freude, die uns bei dieser Nachricht erfüllte welche seit langer Zeit den vernünftigsten und zugleich für die hyg enischen Bedürfnisse der Bevölkerung nothwendigsten Plan für die Verbauung des in den letzten Jahren so oft genannten Platzes enthält, wurde leider durch; die näheren Er kundigungen wesentlich herabgedrückt. So weit sind wir leider noch nicht. Immerhin hat es aber damit seine Richtigkeit, dass der Plan besteht und die Verhandlungen im Flusse sind, und das ist ja schon etwas. Was hat man alles aus diesem Platze schon machen wollen? Das Postgebäude sollte dort erstehen und, als es damit nichts war, wollte man die neue städtische Mädchenschule dorthin stellen. Soviel wir in Erinnerung haben, hieß es auch einmal, dass der Neubau der Universitätsbibliothek auf ihm sich erheben solle und dann wieder, dass man mit dem Gedanken umgehe, das Gymnasinm dorthin zu verlegen — lauter Pläne, welche nur auf die Verwertung des schönen Platzes als Bauplatz ihr Augenmerk richteten. Und doch musste man sich sagen, dass man damit die letzte Hoffnung j für eine größere grüne Anlage, auf eine schattige \ Promenade, auf einen in hygienischer Richtung so nithwendiq freien und erquickenden Park neben der Sucht nach voitheilhaftester Be. werthung dieses so schönen Platzes auf dem „ alten Friedhofe " begrabe. Wo gibt es eine neu aufvlühende und sich rasch ausdehnende Stadt, wie Innsbruck, wo man sich eine so schöne Gelegenheit, einen geradezu prächtigen Platz zu schaffen, entgehen lassen würde?
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. November 1895, S. 33, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5976-vernuenftiger-plan-einer-oeffentlichen-gartenanlage-in-neuen-1895).

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