(Die neuen Wappen am Haller Rathhause.) Wer in der letzten Zeit das freundliche Salinenstädtchen Hall besucht hat, dem sind gewiss die neuen Wappenbilder an der Hofmauer des Rathhauses ausgefallen. Allerdings ist dieses Auffallende ihrer Neuheit eine kleine Schattenseite derselben, denn Restaurationen sollten! ideal genommen, so vorgenommen werden, dass man das Neue daran gar nicht bemerkt. Bedenkt man jedoch, das der alles verändernde Zahn der Zeit sicher das ändern wird, so schwindet damit auch das Störende und der Eindruck wird ein völlig harmonischer werden. Von einem anderen Standpunkte jedoch ist dieser Versuch, an Stelle von Fresken das dauerhafte Glasmosaik zu setzen, aufs freudigste zu begrüßen, nachdem es sich leider allzuoft gezeigt hat, dass die Frescomalerei an den den Unbilden der Witterung schutzlos preisgegebenen Flächen, in unseren Klimaten wenigstens, in kurzer Zeit zugruude geht, ein bedauernswertes Ereignis, an dem weder Künstler noch Besteller ihre Freude haben. Ein Beispiel dafür im Großen liefern die total verblassten Malereien an der neuen Pinakothek in München. Im Kleinen gieng es auch am Rathhause in Hall so. Als 1883 die k. k. Centralcommission unter Dr. David Schönherr ' scher Begutachtung dieses Gebäude einer gründlichen Restaurierung unterzog, ließ man an der zinnengekrönten Hofmauer an Stelle jüngerer wertloser Wappen solche von alten Haller Bürgermeistern anbringen, die man mit feinem Verständnis ausgewähit hatte. Allein seit dem Jahre 1883 waren diese schon so ziemlich verwittert und um eine dauerhafte Erhaltung möglich zu machen, beschloss man, sie in Mosaik herzustellen, eine Aufgabe, die von der Albert Neuhauser ' schen Mosaikwerkstätte recht befriedigend gelöst wurde. Und nun prangen die Wappenbilder von neun Bürgermeistern in Mosaik an Stelle der alten Fresken. Wir haben hier Vertreter von vier Jahrhunderten und zwar von Osten nach Süden: Hans Forcher 1643, Wolfgang Waltenhofer 1521, Leopold Fuchsmagen 1541, Berchtold v. Bolrs 1409, Matheis Getzner 1407, Hans v. Hammerspach 140 t, Jörg Fueger 1387, Simon Kripp 1384, Jakob Sigwein 1383. Die einzelnen Wappen sind gut stilisiert, tadellos ausgeführt, und paffen mit ihrem grauen Hintergründe vorzüglich zum Mauergrau, so dass sie doch freskenartig wirken, vielleicht am besten von allen das bloß in schwarz weiß gehaltene von Leopold Fuchsmagen. Ober dem Thore befindet sich das Haller Stadtwappen, das Dr. Kathrem spendiert hat. Hoffen wir nun, dass die etwas lebhaften Töne der Farben mit der Zeit verschwinden, so haben sich die Haller eine sehr schöne, künstlerische und dauerhafte Zierde ihres Rathhauses besorgt und damit eine Anregung gegeben, da Mosaik anzuwenden, wo Fresko den Unbilden der Witterung nicht standhält.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. August 1897, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6200-ersatz-der-verwitterten-fresken-durch-dauerhafte-mosaikwappen-am-1897).
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