Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ASSISTENTENSTELLE OHNE DEUTSCHEN CHARAKTER

Interpellation zum Assistentenposten im Kindersvital und zur Vorzugsbehandlung deutscher Bewerber

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 13. Juli 1898 · Seite 4
Wenin stellt an den Bürgermeister das Ansuchen, dass er der Wahrheit der umlausenden Gerüchte betreffs der Besetzung der Stelle eines Assistenten im Kindersvital durch einen Italiener auf den Grund gehe uns, falls es sich bewahrheitet, dass Prof. Dr. Los mit Umgehung geeigneter deutscher Candidaten ohne Noch ein Arzt italienischer Zunge vorgezogen und die Stelle verliehen habe, dahin zu wirken, dass in Hinkunft mit Rücksicht auf den rein deutschen Charakter der Stadt bei Besetzung solcher und ähnlicher Stellen in erster Linie stets deutschen Bewerbern der Vorzug gegeben werde. GR. Juffinger bemerkt hiezu, dass der von Dr. Los zu seinem Assistenten ausersehene Arzt bereits zwei Jahre an der betreffenden Klinik thätig war und dank der erworbenen Praxis sich am besten für die Stelle eignete. GR. Thurner meint, dass es an geeigneten deutschen Bewerbern gewiss nicht gefehlt hätte, wenn es bekannt geworden wäre, dass die Stelle frei war. GR. Juffinger entgegnet hierauf, dass Assistentensiellen nie ausgeschrieben werden und die Professoren das Recht hätten und nothwendig auch haben müssten, jene Candidaten zu ihren Assistenten zu wählen, welchen sie das meiste Vertrauen entgegenbrächten. Ueberdies ist Redner überzeugt, dass Prof. Los einen deutschen Candidaten vorgezogen hätte, wenn ein geeigneterer als der Fürgewählte dagewesen wäre. Der Bürgermeister erklärt, ans die Besetzung einer solchen Stellung keinen entscheidenden E nfluss zu haben, dass er sich aber nichtsdestoweniger im Sinne des Interpellanten für die Wahrung der deutschen Interessen nach Möglichkeit verwenden werde.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. Juli 1898, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6323-interpellation-zum-assistentenposten-im-kindersvital-und-zur-1898).

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