Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WIRT WIDERSTAND 10.000 FEINDEN

Würdiges Denkmal für den tapfern Schützenhauptmann Oppacher zu errichten

dem nicht j nur seine Heimatsgemeinde, sondern ganz Tirol stolz fein darf, an seiner letz ' en Ruhestätte ein würdiges Denkmal zu fetzen. Möge das Comit6 unterstützt werden durch Beiträge von Einzelnen, sowie von den Veteranen und Schützencorporationen nicht nur unseres Bezirkes, sondern auch darüber hinaus und recht bald in die Lage kommen, Oppacher ' s Andenken durch ein recht würdiges Denkmal sichern zu kö. men für künftige Zeiten. Eine gedrängte Biographie des kühnen Vaterlandsvertheidigers dürfte hier am Platze sein. Oppacher war geboren am 16. August 1770 als der einzige Sohn der wohlhabenden Wirtsleute von Jochberg. In jungen Jahren übernahm er das väterliche Anwesen, dem er sich mit voller Sorgfalt widmete, nebenbei aber mit Leib und Seele dem Schützenwesen ergeben war. Bereits in den Jahren 1796 und 1797, sowie 1800 kämpfte Oppacher als Lieutenant gegen die Franzosen und erhielt für sein tapferes Verhalten 1801 die silberne Tapferkeits - Medaille. Im Sturmjahre 1805 vertheidigte Oppacher unter dem Commando Hägers, des Schützenhauptmannes von St. Johann, den Pass Strub gegen die Angriffe, die General Deroy in den ersten Novembertagen genannten Jahres dort unternahm. Durch volle 16 Stunden wurde damals von den wackeren Schützen Stand gehalten, Oppacher machte persönlich einen hochgestellten bairischen Officier zum Gefangenen, wurde aber dann durch eine Kugel verwundet und kampfunfähig gemacht. Als Oppacher hievon genesen war, musste fe n Stutzen ruhen; Tirol war inzwischen durch den Pressburger Frieden dem Baiernkönig zugesprochen worden. Es kamen nun bte Frühlingstage des Jahres 1809. Es galt, Tirol wieder zurückzubringen zum angestammten Herrscherhaus. Frisch und Fröhlich wurde gerüstet, Oppacher wurde zum Schützeuhauptmann und Untercommandanten ernannt und ihm fiel es zu, den Pass Strub zu vertheidigen. 10. 000 Mann Baiern und Franzosen wandten sich gegen den Pass Strub; ihnen gegenüber stand Oppacher mit etwa 400 Mann und 2 alten Kanonen. Die Hauptmacht der heimischen Schützen stand bei Küssen, da Major Wi > Hersteller glaubte, es werde der Einbruch der Feinde da erfolgen. Am 11. Mai 6 Uhr Früh begann der Kampf; bei 20 Kanonen richteten ihr Feuer gegen den Pass; die Tiroler Schützen standen gedeckt hinter Felstrümmern und lichteten durch wohlgezielte Schüsse die Reihen der Feinde. Bataillon aus Bataillon der Feinde rückte vor, jedoch vergebens. Gegen 10 Uhr wurden die beiden Kanonen demontiert, allein die tapfere Schar wich nicht, trotzdem sie nur ganz unbedeutende Verstärkungen erhielt. Bis 3 Uhr Nachmittag hielt das wackere Häuflein Stand; jetzt musste sich die Heldenschar wegen Mangel an Munition und Leuten zurückziehen. Gegen 1000 Todte und Schwerverwundete hatte der Feind, Oppachers Schar nur 90 Todte und Verwundete bei diesem Gefechte eingebüßt. Leider konnte auch anderwärts die geringe Anzahl der Schlitzen der in diesen Bezirk einbrechenden feindlichen Ueberzahl nicht mehr Stand halten; Oppacher zog sich in feine Heimat Jochberg zurück, wo er dank der guten Zeugnisse über die gute Behandlung, die er baierischen Gefangenen angedeihen ließ, von den Feinden unbehelligt blieb. Vom Berg Jsel her drang bald darauf die Freudenkunde vom glänzenden Sieg; Oppacher begab sich nach Innsbruck. wo er vom Sandwirt freundlichst ausgenommen wurde. Im Herbste 1809 betheiligte sich Oppacher mit seiner Schar in vorzüglichster Weise bei den Kämpfen in Unken und Loser. Durch den Wiener Frieden kam Tirol wieder an Vaiern; dies schlug dem Herzen Oppacher ' s eine tiefe Wunde, desto größer war aber seine Freude, als Tirol im Jahre 1814 an Oesterreich kam. Oppacher lebte nun ruhig und zufrieden bei den Seinen. Im Jahre 1832 besuchten ihn in seinem eigenen Hause Kaiser Franz und dessen Gemahlin; auch die Erzherzoge Franz Karl, Rainer und Johann besuchten in der Folge den wackeren Jochberger Wirt. Als 72jähriger Greis, rüstig und geistesfrisch, wurde Oppacher 1842 in den Landtag gewählt. 75 Jahre alt, starb Oppacher am 16. Jänner 1845. Von seinen direkten Abkommen lebt jetzt nur noch eine Enkelin; die männliche Linie ist ausgestorben.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Februar 1899, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6387-wuerdiges-denkmal-fuer-den-tapfern-schuetzenhauptmann-oppacher-zu-1899).

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