Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TIROLER AUSGEWANDERT – IN DIE HÖLLE

Schicksal der deutschen Auswanderer in Peru und ihre bittere Lage

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 26. Oktober 1858 · Seite 3 · #Peru (Pozuzo)
schreibt die Wiener Zeitung " — » über das Schicksal deutscher Auswanderer in Peru, und besonders der dorthin übcrsiedelten Tiroler wahrheitsgetreue Angaben zu veröffentlichen, die mit dem ganzen Ernst erschütternder Tbatsachen allen Denen zur Warnung dienen mögen, welche sich durch die Vorspiegelungen gewissenloser Betrüger zur Auswanderung in diese oder andere Staaten Südamerikas verlocken lassen könnten. " — » Seit dem Jahre 1851, " heißt es in dem der Wiener Zeitung vorliegenden Schreiben, » als dem Zeitpunkte, wo die erste Ankunft deutscher Auswanderer erfolgte, welche von einem gewissen Rodulfo herübergebracht wurden, sind Deutsche aus den verschiedenen Bundesstaaten meistens auf Grund von Privat- Kontrakten hiehergekommen. Die Letztangelangten waren die im verflossenen Jahre von einem gewissen Damian Schütz, auch Baron Schütz genannt, hcrübcrgeschafften Tiroler. In Folge der mittellosen Umstände dieser Unglücklichen, ihrer natürlichen Unwissenheit, ihrer Unkunde der spanischen Sprache, ihrer abweisenden Sitten und Gebräuche wurde alsbald mit ihrer Lage ein schmählicher Mißbrauch getrieben. Allerdings hatte die Regierung Weisungen ergehen lassen, daß für ihre Fortschaffung und Unterkunft die nöthigen Vorbereitungen getroffen werden sollten; allein die Maßregeln derselben erwiesen sich, wie nur zu oft in solchen Fällen, als durchaus unzulänglich. Nach allen Mühseligkeiten einer gefahrvollen und anstrengenden Reise wartete ihrer an ihrem Bestimmungsort selbst eine unwirthsame Wildniß und bittere Hungersnoth. Bald gebrach es an den ersten Lebensbedürfnissen, der äußerste Mangel vcranlaßte Beschwerden, auf welche mit Mißhandlungen geantwortet wurde. Verzweiflung bemächtigte sich der rathlos Verlassenen und um dem unvermeidlichen Hungertode zu entgehen, stahlen sie sich, wenn auch fast ohne Aussicht auf Rettung, in kleinen Schaaren wie fahnenflüchtige Ausreißer hinweg. Auf dieser Flucht, die sie auf ungebahnten Wegen zu Fuß, sogar mit Zurücklassung ihrer Kleider — mehrere davon
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. Oktober 1858, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/644-schicksal-der-deutschen-auswanderer-in-peru-und-ihre-bittere-lage-1858).

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