Seite 4. Nr. 94. Innsbrucker Nachrichten" Mittwoch den 25. April 19H0 ausgesprochen, dass die Einführung der Canalisierung namentlich in der Altstadt den Hausbesitzern große und theilweise unerschwingliche Kosten auserlegen würde. Um diesem Einwurfe zu begegnen, ließ der Stadtmagistat für die verschiedenen möglichen Fälle Kostenanschläge ausarbeiten und dieselben dem Landtage als Ergänzung und zur Aufklärung überreichen. Wir hatten Gelegenheit, in dese Voranschläge Einsicht zu nehmen und können hierüber nachstehendes mittheilen. Der am häufigsten vorkommende Fall bei Häusern mit sogenannten ausgebauten Aborten, das heißt solchen, welche sich außerhalb der Umfassungsmauern befinden, wird jener sein, dass die neuen Closets bei Auflassung der ausgebauten Aborte in das Hausinnere verlegt werden können. Dies wird um so leichter möglich sein, da es sich ja nicht mehr um die Anlage einer neuen Abortgrube handelt, sondern einfach um die Heranziehung eines Raumes von 0 - 9. rn Breite und 1 ' 5 ui Länge in allen Stockwerken, welche sich auf Grund der erhobenen Verhältnisse in mehr als der Hälfte aller Häuser der Altstadt ohne weiteres wird gewinnen lassen. Ein analoger Fall war z. B. in der Stadt Gmunden ( der ersten Stadt in Oesterreich, wo vor kurzem die Schwemmcanalisation gleich dem Innsbrucker Projecte einheitlich und vollkommen dnrchgeführt wurde); dortselbst waren vor Einführung der Schwemmcanalifierung zumeist ausgebaute Aborte. Eine bezügliche Anfrage hat ergeben, dass in den meisten Häusern ein für die neuen Closets im Hausinnern geeigneter Raum gefunden wurde und wesentliche Anstände für Einführung der Schwemmcanalisierung sich in keiner Weise ergaben. Um einen Maßstab für die Kosten einer solchen Anlage zu gewinnen, wurde das Project für ein vierstöckiges Haus der Altstadt durchgearbeitet und zwar bezüglich der erforderlichen Bau und Jnstallationsarbeiten für die vollständige Canalisierung unter der Voraussetzung, dass die CloseLs vollständig neu hergerstellt werden müssen, sammt Steigleitung für Wasserzuführung, Falleitung und Grundleitung, Anschluss der bestehenden Stockbrunnen, des Hofbrunnens, Hofentwässerung und Anschluss der Regenrohre gaffen und hofseitig. Die Gesammtkosten für Ban und Jnstallierungsarbeiten belaufen sich auf rund L 2400. In vielen Gebäuden der Altstadt, vielleicht bis zu 30 pCt., wurden in den letzten Jahren gelegentlich vorgenommener Adaptierung die Aborte bereits in das Innere des Hauses verlegt. In solche» Fällen verringern sich natürlich die Kostendes Anschlusses an die Neueanalisierung namentlich in Bezug auf die vorzunehmenden Bauarbeiten. Auch für einen solchen typischen Fall wurde ein Project und Kosten - Anschlag für die Gesammt - Canalisierung ausgearbeitet und haben die Gesammtkosten den Betrag von 1800 L ergeben. Der allerungünstigste Fall dürfte jener sein, wo einerseits eine Verlegung der Closets innerhalb der Umfassungsmauern nicht möglich ist, andererseits die bestehenden Aborte so schlecht find, dass dieselben von Grund
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. April 1900, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6589-kostenanschlaege-fuer-die-canalisierung-in-der-altstadt-und-1900).
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