Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DELINQUENT GESTEHT UND WIRD ERHÄNGT

Vollzug des Todesurtheils gegen den Doppelmörder Großrubatscher in Rovereto

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 20. November 1900 · Seite 5
(Die Hinrichtung Florian Großen batschers.) Se. Majestät der Kaiser hat, wie sich voraussehen ließ, den Doppelmörder Florian! Großrubatscher nicht begnadigt, sondern den obersten! Gerichts und Cassationshos beauftragt, das gegen denselben gefällte Todesurtheil vollstrecke » zu lasten? Diese Mitteilung langte am Samstag morgens Lu Rovereto ein und gleichzeitig wurde dem dortigen Kreisgerichte bekanntgegeben, dass der Wiener Scharfrichter Lang angewiesen wurde, sich mit seinen Gehilfen unverzüglich nach Rovereto zu begeben, um seines traurigen Am es zu walten. Dort waren unterdessen in aller Eile die nöthigen Vorbereitungen zur Hinrichtung getroffen worden, und vorgestern morgens erschien die vom Gesetze bestimmte Commission, bestehend aus dem Kreisgerichtspräsidsnten Dr. Angeli, zwei Richtern und dem Staatsanwalts Julius von Tecini, in der Zelle des Großrubatscher, um ihm mitzutheilen, dass die Todesstrafe wegen nicht eingetretener Begnadigung an ihm vollzogen werde. Der Präsident Dr. Angeli checkte sodann den: Delinquenten auch mit, dass ihm sofort der geistliche Beistand ertheilt wird und fragte, ob er vielleicht einen deutschen Geistlichen wünsche, was aber Großrubatscher mit dem Bemerken ablehnte, er könne sich ganz gilt mit einem dortigen italienischen Beichtvater verständigen. Es erschien nun noch im Laufe des Vormittags der Fran iskaner DLonz ^ io, der auf Herz und Gemüth des Großrubatscher derart ein wirkte, dass er ihm unter anderen auch die Verübung des Raubmordes an Frau Maria Span in Hölting singest and, unter einem aber bemerkte, dass er einzelne Delikte, deren man ihn beschuldigte, nicht auf dem Gewissen habe. Bon dort an hörte Großrubatscher dem Zuspruchs des kaäre andächtig M der bis zum Momente der Justificierung ihn! nicht mehr verließ. Bei der vom genannten Pater gestern Morgen um 5 Uhr gelesenen hl. Messe ministrierte Großrubatscher selbst, der nach Ansicht des Seelsorgers mit allen Zeichen? tiefster Reue hinüber in die Ewigkeit gieng. Als sein Vertheidiger Dr. Brugnara in die Zelle trat, wiederholte er ihm gegenüber das Geständnis betreffs des Raubmordes in Hötting und erklärte, dass der Vollzug des Todesurtheil. s ihn vor weiteren Unthaten befreie, da er einen inneren Drang in sich verspüre, Menschen umznbringen. Beim letzten Gange benahm sich der Delinquent sehr gefasst und ans die Frage des Vorsitzenden der Commission, LGR. Tranqmllini, ob er noch etwas anznführen wünsche, sagte Großrubatscher, nachdem er tief Athem geholt: Ja. Ich bitte Euch, meure Herren, um Verzeihung und danke Euch für alles, nochmals bitte ich die ganze menschliche
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. November 1900, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6675-vollzug-des-todesurtheils-gegen-den-doppelmoerder-grossrubatscher-1900).

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