Dieselbe zeichnet sich durch Seidenglanz, erhöhte Festigkeit und größeres Aufnahmevermögen für Beizen und Farbstoffe aus. Mit dem Mercerisieren wird in neuester Zeit häufig ein rein mechanischer Process verbunden, der in einem Pressen des Gewebes mit Stahlplatten besteht, welche auf ihrer Oberfläche feine, parallele, nach zwei sich kreuzenden Richtungen verlaufende Rillen tragen. Durch diese Operation soll der Seidenglanz noch erhöht werden. Als Uebergang zu den eigentlichen künstlichen Seiden wurden die Verseidungsverfahren erwähnt, welche in einer Ueberkleidung thierischer oder pflanzlicher Fasern mit Lösungen von echter Seide oder mit solchen von Nitrocellulose bestehen. Die Hauptrolle alö Ersatzmittel fürSeide scheinen aber die künstlichen Seiden zu spielen und werden dieselben je nach dem Rohmaterial, aus dem sie gewonnen werden, in Nitrocellulose oder Collodiumseiden, in Celluloseseiden, in Viskoseseide und in Gelatineseiden eingetheilt. Im Großbetriebe werden bis jetzt Collodiumseiden nach den Verfahren von Chardonet und Lehner und Celluloseseiden nach den Methoden von Pauly und Bronnert gewonnen. Die hier erwähnten Gewinnungsweisen werden kurz besprochen und Proben der nach denselben dargeslellten künstlichen Seiden vorgelegt. Ein Vergleich des mikroskopischen Aussehens, der physikalischen und chemischen Eigenschaften der echten und der künstlichen Seide ließ die Mittel erkennen, die zur Unterscheidung derselben dienen können, sowie auch die Vor und Nachtheile ersehen, welche die Verwendung der künstlichen Seiden mit sich bringt. Der Glanz derselben ist größer als der der echtenSeide, die Färbbarkeit eine gute, jedoch sind sie schwerer, quellen irn Wasser auf und besitzen schon im trocknen besonders aber im feuchten Zustande eine viel geringere Festigkeit, daher ihre Verwendung zur Herstellung von Kleiderstoffen überhaupt als Kette für Gewebe ausgeschlossen erscheint. Dafür finden jedoch die künstlichen Seiden schon Anwendung bei der Erzeugung von Möbel und Vorhangstoffen, sowie in der Band und Borten abrication und als Slickseide. Man kann sagen, dass sich die künstlichen Seiden dort ihr Absatzgebiet gesichert haben, wo es weniger auf Haltbarkeit und Festigkeit als auf Glanz und schönes Aussehen ankomml.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. Jänner 1901, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6710-neueste-verfahren-und-eigenschaften-der-echten-und-kuenstlichen-1901).
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