Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
STUBAI – WO GESCHICHTE WACH WIRD

Beschreibung der Stefansbrücke und des Stubaitales mit historischen Erinnerungen

Sckildereieu aus dem Stubai. Cultnrhistorische Skizzen von Paul R. Grenßing. Etwa eine Stunde in südlicher Richtung von der Landeshauptstadt Tirols wölbt sich über die Fluten des Rutzbaches der baulich und geschichtlich berühmte Bogen der Stefansbrücke. Hoch ob den Ufern der Sill führt die breite Landstraße dorthin. Rechts schattiger Fichtenwald, links stell abfallende Wiesen mit darin ruhenden Gehöften, bilden den Charakter der Partie. Wildromantisches Wasserranschen von unten und der heisere Geierschrei aus der Lust erhöhen den eigenthümlichen Reiz des Panoramas. Hier ist die Stelle in nächster Nähe, der weltberühmte „ Berg Jsel ", wo sich die tapferen Söhne Tirols aurw 1809 die Unsterblichkeit erkämpften und ein ewig grünes Blatt in der Weltgeschichte eroberten k Hier steht auch das „ Gasthaus zur Schupfen ", wo Andreas Hofer mit seinen Getreuen Kriegsrath hielt nnd zechte. Beiläufig tausend Schritte davon liegt die Stefansbrücke ( 138 " Spannweite) und braust der Rutzb. ich, das gletschergeborne Kind Stubais in ungefähr 100 Meter Tiefe darunter hin. Ein schmaler Fußpfad führt rechts von der Brücke Ln eine scheinbar unbewohnte Wald nnd BergwiLduis empor, während links Nutz und Sill stch schäumend und tosend für immer vereinen! Folgt Dein Fuß dem rechtsseitigen Pfade, so wird er Dich durch parkähnliche Fichten und Lürchenwaldunaen ins unvergleichlich schöne, firnengekrönte Stnbaithal führen. Gegen Süden sieht Dein Auge die gewaltige Serlesspitze, deren pyramidale Form und abendliches Alpenglühen einen Weltruf unter Fachleuten besitzt, während zu Deiner Rechten aus den Höhen des „ Sailjoches " ab und zu niedliche Wasserfälle niederrauschen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 15. Februar 1901, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6728-beschreibung-der-stefansbruecke-und-des-stubaitales-mit-1901).

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