Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MEISTERGLOCKE MIT ENGELNKUNST

Neues Glockengeläute für die Jesuitenkirche in Innsbruck

Aus Stadt und Land. (Primizfeie r.) Morgen feiert, wie schon kurz gemeldet, in der hiesigen Jesuitenkirche der neugeweihte Priester Herr Gebh. Bald auf, Sohn des Laudesschulinspectors für Vorarlberg, sein erstes hl. Messopfer. Um 8 Uhr Primizpredigt, gehalten vom hochw. Herrn?. Gatterer, 8. ck. Universitäts- Professor, hierauf feierliches Hochamt. (Das neue Glockengeläute in der Jesuiten - Kirche.) Innsbruck wird in absehbarer Zeit ein neues harmonisch melodisches Glockengeläute erhalten, denn die neuen Thürme der Jesuiten- Kirche, welche Herr v. Sieberer, der Gründer des herrlichen Waisenhauses in Innsbruck, durch die Firma Hüter erbauen lässt, ein schönes Heim gewähren werden. Dieses Geläute ist, soweit es sich nicht um wenige bereits vorhandene Glocken handelt, die demselben einverleibt werden können, das -Geschenk eines hochherzigen Gönnerpaares in Innsbruck an die Dreifaltigkeits - ( Jesuiten -) Kirche. Das neue Geläute, welches Meister Chiappani in Trient herstellt, wird aus 9 Glocken bestehen. Die größte, 10. 000 Kilo schwere, ist bereits fertig und wird sowohl der Klangfarbe wie der äußern Ausstattung nach von Kennern als Meisterwerk moderner Glockengießerkunst gerühmt. Es dürfte wahrscheinlich die füuftgrößte Glocke in Europa sein, die tatsächlich geläutet wird, während Glocken von gleicher und steigender Schwere gewöhnlich nur angeschlagen werden. Der Ton derselben liegt zwischen und L und ist daher um I V 4 tiefer als die große 7400 Kilo schwere Pfarrkirchenglocke. Sie ist, wie eine Inschrift um den kleinen Reif besagt, der hl. Dreifaltigkeit geweiht. Die dekorative Ausstattung ist mit Feinheit und künstlerischem Geschmacke ausgeführt. Als Hauptbilder trägt die Glocke die hl. Dreifaltigkeit und die Himmelskönigin. In den Nischen sind die 4 Evangelisten sichtbar, während in den übrigen Feldern schwebende Engel mit Emblemen angebracht sind. Um den großen Reif sind die Namen des Spenders der Thürme, dann die des Spenders und der Spenderin der Glocken in schönen Reimen n Erz verewigt und unter denselben in Kunstbil- -sern die beiden Träger der weltlichen und kirchlichen Macht, dann die fürstlichen Erbauer der Kirche und die Wohlthäter derselben, denen die Vollendung zu danken ist, sowie der Gießer der Glocken. Beim Gusse der großen Glocke entwickelten die Arbeiter Chiappanis eine derartige Freude und Liebe zur Sache, dass sie aus freien Stücken trotz Vorstellungen 36 volle Stunden im schwersten Feuerdienste ausharrten, bis das Werk gelungen war. Die zweite neue Glocke im Gewichte von 48 — 50 Metercentner ist dem hl. Johannes dem Täufer, dem Nameuspatron des Erbauers der Thürme ( v. Sieberer) geweiht, die dritte Glocke, 23 — 24 Centner schwer, ist die Leonhardsglocke, die vierte, 1650 — 1750 Kilo, heißt Alma ( letztere beiden Glocken sind nach den beiden Spendern des Geläutes genannt), die fünfte ist eine über 300 Jahre alte Löfflerglocke, 1300 Kilo schwer, die sechste ist 900 Kilo, die siebente, ebenfalls eine Löffler, ist 700 Kilo, und die achte 420 Kilo schwer geplant. Dann kommt noch eine ganz kleine hinzu. Die große Glocke, sowie die große Löffler werden in dem dem Jesuitencollegium zu liegenden Thürme, sämmtliche andern im zweiten Thürme Aufnahme finden.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. Juli 1901, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6821-neues-glockengelaeute-fuer-die-jesuitenkirche-in-innsbruck-1901).

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