Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GLAUBE ALS DIENSTSTRAFE

Rückversetzung des Postassistenten Pogatschnigg als Strafe und politische Maßnahme

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 3. Oktober 1901 · Seite 4 · #Evangelische Kirche
Herrn Pogatschnigg ssu., einem pensionierten Marineofficier, machte Postamtsdirector Dobin vor vierzehn Tagen die Mittheilung, dass eine Strafversetzung wohl sicher zu gewärtigen sei, weil Landeshauptmann Rhomberg sich der Sache angenommen habe und zu ihm, Dobin, geäußert hätte, wenn es ihm nun auch noch nicht gelinge, den Minister zur Entfernung Pogatschniggs aus Innsbruck zu veranlassen, so werde er sofort nach Zusammentritt des Reichsraths die Sache in schärfster Weise im Herrenhause zur Sprache bringen. Und und laufen miteinander um die Wette in die Kraale Wie oft aber ist es nicht geschehen, dass gerade ein glücklicher Mann, der sich an dem Anblicke der Früchte seiner Mühe und Arbeit weidet, plötzlich von einer d. er schweren Plagen heimgesucht wird, die seine Herden mit jedem Tage mehr verschwinden machen und seiner Hände Arbeit vernichten. Viele der Buren, die jetzt gefangen sind oder noch für ihr theueres Land kämpfen, sind von Plagen, wie Trockenheit, Heuschreckenschwärme, Viehpest, Lungenkrankheit der Thiere oder Pferdeseuchen, heimgesuchl worden. Der katholische Missionar Strecker, der ein hochinteressantes, eine Fülle anschaulicher Schilderungen bietendes Buch über Südafrika jüngst veröffentlicht hat, erzählte, dass Häuptlinge, die noch gestern über 20 — 30. 000 Stück Rindvieh verfügten, durch die Rinderpest über Nacht zu Bettlern wurden. In Transvaal Landmann zu sein, das kann nicht jedermann unternehmen, denn dazu gehört Kraft und Energie, um selbst dann die Arbeit fortzusetzen, wenn die erwähnten Plagen den Mann nöthigen, wieder und wieder von vorn anzufangen. Daran müssten die denken, das müssten die beachten, die dem Buren so leichthin nachjageu, er sei kein Culturelement uno habe seinem Lande eigentlich nichts zu geben vermocht. Rhomberg kann nun frohlocken. Der Fall ist eine Entscheidung von größterTragweite und wir glauben, dass es sich an ihm zeigen muss, ob Uebertritte wirklich für Staatsbeamte Maßregelung nach sich ziehen oder nicht. Wir werden unsere Regierung zwingen, Farbe zu bekennen. Pogatschnigg wurde vor drei Jahren als Postassistent von Triest nach Innsbruck versetzt, seine Rückversetzung in gleicher Eigenschaft ist, man mag sich zur Beschönigung auf Dienstesrücksichten ausreden, nichts anderes, als eine Strafe für ihn und eine Einschüchterung unserer im Staatsdienste befindlichen Gesinnungsgenossen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Oktober 1901, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6844-rueckversetzung-des-postassistenten-pogatschnigg-als-strafe-und-1901).

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