Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BAHNKREUZUNG MIT BAYERN

Vortrag über die Innsbruck-Mittenwalder Bahn im technischen Club

(JngenieurRrehl über dieJnnsbru ck— Mitlenwalder Bahn.) In freier, ^ ständiger Rede hielt Herr Ingenieur Josef Niehl am 3. ds. im technischen Club seinen angekündeten Vortrag: „ Allgemeines über die Innsbruck — Mittenwalder Bahn" im stark besuchten Clublocale. Der Vortragende wies auf die Anomalie im heutigen Verkehrszeitalter hin, dass an unserer ganzen 350 Km langen Nordgrenze nur die beiden Embruchsstellen Kufstein und Bregenz vorhanden seien, während Baiern zwischen Ulm, Augsburg und München 7 Linien an unsere Grenze sendet. Die Ursache dieser Anomalie ist theils in der orographischen Beschaffenheit unserer nördlichen Grenze, theils Ln der baierijchen Eisenbahnpolitik zu suchen. Bei uns kommen als Anschlüsse nach Baiern nur zwei Linien in Frage, die Scharnitzer Bahn und die Fernbahn. Nach dem historischen Thei! der Frage bespricht der Vortragende die auf die Scharnitzer Bahn bezugnehmenden baienschen Kundgebungen, und konstatiert, dass im allgemeinen die von baierischer Seite proponierten Anschlussbahnen nach München, Augsburg und Kempten ( über Garmisch — - Neutte) an de Scharnitzer Linie völlig unseren Interessen entsprechen. An der Hand ein s reichen Materials wurde sodann nachgewiesen, dass durch die Scharnitzer Linie Ulm um 82 Km effectiv, oder 57 km tarifarisch, Augsburg um 54 km effectiv, oder um 29 km tarifarisch und München um 32 km effectiv, oder um 15 km tarifarisch genähert werde. Der Hl uptwert der neuen Verbindung wird weniger in der — schwer möglichen — Concurrenz mit der Kufsteiner Linie als vielmehr darin gefunden, dass durch die Scharnitzer Linie und deren Anschlüsse säst sämmtliche Bahnzweige des oben genannten Gebietes einen sehr günstigen Weg nach Süden erhalten. Redner weist nach, dass für das genannt* Gebiet, durch die Scharnitzer Linie und die Anschlüsse, durchschnittlich 50 Procent, zum Theile sogar bis 75 Procent Ersparnis gegenü er den bisherigen Routen resultieren. Dies sei ganz außerordentlich, das Gebiet sei groß, gut bevölkert, industriell, und erfreue sich eines sehr regen Fremdenverkehres, sodass bei entsprechender Leistungsfähigkeit der neuen Bahnen sich eine gute Rentub iltäi zweifellos ergebe.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Februar 1902, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6910-vortrag-ueber-die-innsbruck-mittenwalder-bahn-im-technischen-club-1902).

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