Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VON MANN ZU MANN – URHEIMAT UNKLAR

Zur Urheimat der Zigeuner und ihrem unruhelosen Wandertrieb

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 1. September 1902 · Seite 2
Die Urheimat der Zigeuner. Bon Dr. Alfred Bosse. (Nachdruck verboten.) Wie sie es bei ihrem ersten Auftreten auf europäischem Boden waren, so sind sie Zigeuner auch heute noch ruhelos. Welche Hindernisse ihnen auch in den Weg gelegt werden, sie wissen sie zu umgehen und ihrem unsteten Wandertrieb zu folgen. Au Klagen über die Zigeunerplage hat es denn auch nie gefehlt. Aber interessant sind deshalb die braunen Gesellen doch. Ungewöhnlich und fremd in Sitten und Bräuchen, bilden sie trotz ihrer Zersprengtheit inmitten der Kulturvölker ein abgeschlossenes Ganzes, dessen Eigenart von selbst zu der Frage drängt, welches die Vergangenheit dieser Nomaden und wohin ihr ursprüngliches Stammland zu verlegen ist. Die Zigeuner, wenigstens diejenigen Siebenbürgens und Ungarns, nennen sich selbst Rom oder Manisch. Das erste Wort bedeutet Mann, das zweite Mensch. Die Bezeichnung Zigeuner erstreckt sich auf das östliche Europa und Italien, während sie Ln Westeuropa andere Namen führen. Die Benennung Zigeuner hat schon früh den Anstoß zu Vermutungen über ihre Abstammung gegeben. So hat man angenommen, ihre Heimat sei die Provinz Zeugitaaa in Tunis, oder sie seien Nachkommen der Bewohner der Stadt Singara in Mesopotamien, Das alles ist ja nun gerade nichts Neues. Aber es schadet auch nichts, wenn von Zeit zu Zeit daran erinnert wird.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. September 1902, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7051-zur-urheimat-der-zigeuner-und-ihrem-unruhelosen-wandertrieb-1902).

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