Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MIT SCHLÄGEN IN DAS TAL GEZWUNGEN

Sage vom Orlerwaldhof und Herkunft des Namens Schmirn

Man nennt ihn den Orlerwaldhof. Im Schmirntale ist über diesen Hof folgende Sage bekannt: Es war einmal eine Zeit, in der dieses Tal gleich allen andern Seitentälern des Wipptales eine wilde, unkultivierte Waldgegend war, in der nur böse Tiere hausten. Die weisen Väter der ersten Ansiedlung in St. Jodok waren sich darüber klar, daß dieses Tal besiedelt werden müsse; doch niemand wollte sich dazu verstehen, Laleinwärts zu ziehen. Da beschlossen die weisen Väter, ein Männlein und ein Weiblein zusammenzugeben und sie mit Gewalt in dies Tal hineinzubringen, indem dieselben solange „ geschmiert" (d. h. gehaut) wurden, bis sie sich zum schweren Gang der ersten Ansiedelung entschlossen. Unter vielen Wehklagen wanderten die zwei in die Wildnis und gründeten an der Stelle des heutigen Orlerwaldhofes die erste Siedlung im Schmirntale. Da nun heute noch im Tale das alte Wort „ lurlen" für „ weinen " bekannt ist. so dürfte der heute bestehende Hofname Orlerwald ursprünglich Lurlenwald geheißen haben und nur durch Abschwächung zum heutigen Hofnameu geworden fein. Der Name des Tales „ Schmirn " soll nun darauf zurückzuführen sein, daß dessen erste Ansiedler eben durch „ Schmirn" d. i. mit Schlägen zur Einwanderung gezwungen worden sind. Das ist Volksetymologie, die mit der wissenschaftlichen Forschung nichts zu tun hat.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. September 1902, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7069-sage-vom-orlerwaldhof-und-herkunft-des-namens-schmirn-1902).

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