Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HONIG AUS NEKTAR UND BIENENARBEIT

Über die Entstehung des Honigs durch die Arbeit der Bienen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 2. Oktober 1902 · Seite 8
Landwirtschaftliches. (Was ist Honig und wie wird er gewonnen?) Kaum über ein anderes Nahrungsmittel herrscht unter dem Volke soviel Unkenntnis als über den Honig und doch ist gerade dieser für Erhaltung oder Herstellung bereits untergrabener Gesundheit von allergrößter Wichtigkeit. Wenn ich versuche etwas über Honig zu schreiben, so bemerke ich im vorhinein, daß ich hiemit einen kleinen Anfang machen will und ich die vollständige Behandlung dieses wichtigen Themas einer berufeneren Feder überlasse. Der für den Genuß bestimmte Honig wird einzig und allein nur durch die Biene bereitet und zwar zunächst aus den Nektarien der Pflanzen. Diese nehmen ihre Nahrung teils durch die Saugwurzeln aus dem Boden, teils durch die Blüten direkt aus der Luft. Die Pflanze muß die aufgenommene Nahrung verdauen und als ein Produkt dieser Verdauung ist jener süße Saft zu betrachten, welchen die Bienen mit ihren Säugrüsseln herausziehen. Der Nektar ist aber nach meiner Ansicht nicht flüssig in der Pflanze, sondern er wird erst flüssig gemacht durch die Witterungseinflüsse. An schwülen, feuchten Tagen sieht man, wie manche Pflanzen den Honig ausscheiden. Z. B. bei Abntllon, Honigdistel und andere Pflanzen kann man an solchen Tagen beobachten, daß Tröpfchen süßen Saftes ausgeschieden werden. Solche günstige Momente benützen dann die fleißigen Immen, fliegen von Blume zu Blume, von Blüte zu Blüte, stecken ihren Rüssel in die Kelche, saugen sich voll an und füllen damit ihren Honigmagen. Dieser enthält eigene Drüsen mit Ameisensäure und somit wird der Honig von der Biene bereitet.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. Oktober 1902, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7076-ueber-die-entstehung-des-honigs-durch-die-arbeit-der-bienen-1902).

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