An diesen Arbeiten hat sich, wie lobend hervorgehoben werden muß, auch der tirolische Landesausschuß beteiligt. Allein die von ihm gelieferten Arbeiten zeigten bisher empfindliche Lücken. Dieselben beschränkten sich nämlich in der Regel auf jene Materien, welche der unmittelbaren Jngerenz des Landesausschusses unterliegen, während weite Gebiete der autonomen Verwaltung, wie das so außerordentlich wichtige Gebiet des Gemeindewesens samt den Gemeindefinanzen, das Armenwesen u. a., unbeachtet geblieben sind. Gerade aber diese Gebiete der autonomen Verwaltung erheischen wegen ihrer enormen Bedeutung eine eingehende statistische Untersuchung. Für die Lösung solcher Aufgaben reicht indes die gewöhnliche statistische Routine nicht mehr ans und so ergibt sich die Notwendigkeit, endlich auch in Tirol ein unter fachmännischer Leitung. stehendes statistisches Landesamt zu schaffen. Wir sind überzeugt, daß eine verhältnismäßig bescheidene Summe genügen würde, um diese Institution ins Leben zu rufen, zumal wenn man sich entschließt, das neue Amt nach dem in Steiermark beliebten Vorgänge in Verbindung mit der an der Innsbrucker Universität bestehenden Lehrkanzel für Statistik zu bringen. Eine solche Verbindung würde sich ohne Zweifel für beide Teile als überaus fruchtbringend erweisen. Aus der einen Seite würde dem statistischen Landesamte der reiche Schatz der theoretischen statistischen Wissenschaft zu Gute kommen und auf der anderen Seite konnte die bisher der Berührung mit dem reales Leben nur zu sehr entbehrende Lehrstelle aus diesem Anregung und weiteres Wissen schöpfen. Nicht gering zu veranschlagen wäre auch der Nutzen, der dem neuen Amte und der Lehrstelle dadurch erwachsen würde, daß beide in regen Verkehr mit den statistischen Ämtern des In und Auslandes zu treten genötig wären, während jetzt in Ermanglung eines solchen Verkehres die sür die statistische Lehrtätigkeit erforderlichen Behelfe oft nur schwer oder gar nicht beschafft werden können. Da an der richtigen Ausgestaltung der Landesstatistik nicht bloß die Land es Verwaltung, sondern auch der Staat, die im Lande bestehenden wirtschaftlichen und gelehrten Korporationen (Handels und Gewerbekammern, Landeskulturrat, Universität und Ferdinandeum) und die Gemeinden interessiert sind, so halten wir es schließlich auch für notwendig, durch Errichtung einer statistischen Landeskommission, nach den: Beispiele anderer österreichischer Länder ( Böhmen, Bukowina) einen Brennpunkt für alle statistischen Bestrebungen im Lande zu schaffen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. Februar 1903, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7182-notwendigkeit-eines-statistischen-landesamtes-in-verbindung-mit-der-1903).
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