Seite 17. Zur Eröffnung des Volksbrausebades. Mit der Errichtung des Volksbrausebades hat der Innsbrucker Gemeinderat eine Wohlfahrtseinrichtung geschaffen, welche einen bedeutsamen Fortschritt auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege darstellt. Es ist dies umso anerkennenswerter, als in einem Zeitalter, in dem die Hygiene zu einer blühenden Wissenschaft geworden ist, im Allgemeinen die praktische Betätigung der öffentlichen und privaten Gesundheitspflege noch ziemlich rückständig ist, so z. B. das Badewejen, das ja einen wichtigen Teil derselben bildet. Diese treue segensreiche Schöpfung des Gemeinderates wird aber nur dann den gewünschten Zweck erreichen, wenn die Kreise, ftir welche sie in erster Linie gedacht ist, derselben vollstes Verständnis entgegenbringen und vom Bade recht ausgiebigen Gebrauch machen. Damit sie dies tun, müssen sie erkennen, welchen Nutzen, welche Wohltat das regelmäßige Gaden mit sich bringt. Der berühmte Hygieniker Professor Rubner sagte: „ Zum Wohlbefinden und zur Gesundheit gehören zwar viele Dinge, aber unter den Maßregeln, die der Einzelne zur Hebung seiner Gesundheit vornehmen kann, ist der häufige und richtige Gebrauch des Wassers, eine der wichtigsten. " Zu diesem häufigen und richtigen Gebrauch des Wassers nun bietet das Volksbrausebad auch Jenen reichlich Gelegenheit, welchen diese Wohltat des Kostenpunktes wegen nicht leicht zugänglich war. Da aber jetzt die Möglichkeit dazu gegeben ist, sollten sie zugreijen und sich recht oft den Genuß des Badens vergönnen zur bung des Wohlbefindens, zur Erhaltung der sundheit, zur Erhöhung des Lebensgenusses. Der Wert des regelmäßigen Badens ist vor Allem ein gesundheitlicher. Wenn wir die Haut von dem anhaftenden Schmutze befreit haben, so haben wir uns nicht nur eine sehr angenehme Empfindung verschafft, sondern mit dem Schmutze häufig auch uns feindliche Keime den Nährboden entzogen, auf dem sie. so gerne nisten und wenn wir die Haut ordentlich abgedoucht haben, so haben wir sie erfrischt und gestärkt und ihre wichtige Tätigkeit angeregt. Die angenehme Empfindung nach dem Bade entspringt nicht nur der Befriedigung, sich gewaschen, „ rein gemacht " zu haben, welche jedem ordentlichen Menschen eigen ist, sondern hauptsächlich dem körperlichen Wohlbefinden, welches eine gute Hautpflege mit sich brmgt. „Dieser Mensch steckt in einer guten Haut ", sagen wir von einem Gesunden und das ist kein leeres Wort; es ist tiefbegründet in der wichtigen Rolle, welche die Haut für unsere Gesundheit spielt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. November 1903, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7367-eroeffnung-des-volksbrausebades-als-fortschritt-in-der-1903).
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