Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
LEUCHTEN OHNE FLAMME

Vortrag über die Ziele der Leuchttechnik mit Demonstration moderner Lichtquellen

(Naturwissenschaftlich medizinischer Verein.) In der am 9. d. M. abgehaltenen Sitzung hielt Prof. Dr. Czermak einen von zahlreichen Demonstrationen begleiteten Vortrag über „ die Ziele der Leuchttechnik ". Der Vortragende besprach zuerst an der Hand einer tabellarischen Zusammenstellung die verschiedenen üblichen Lichtquellen, von welchen die erst in neuester Zeit eingeführten Leuchtkörper, wie die Menst -, Osmium -, Quecksilberdamps und Effekt - Bogenlampe auch demonstriert wurden. Diese fast genau der historischen Entwicklung folgende Reihe zeigt in der Temperatur der Leuchtkörper ein stetes Anwachsen, während die Kosten sür eine Brennstunde und eine Kerzenstärke Helligkeit stetig abnehmen. Bezüglich der Art, in welcher Körper zum Leuchten zu bringen sind, wurden zwei Wege unterschieden: erstens die technisch allein gut durchführbare Methode der Erwärmung durch Verbrennung oder durch den elektrischen Strom und zweitens die bisher in der Praxis noch nicht anwendbare Methode ^ es Leuch tens bei niedriger Temperatur, bei Luminiszenz und Fluoreszenz. Als Beispiel der letzteren Art wurden die Lampen von Puluj und Ebert gezeigt. Sodann besprach der Vortragende die allgemeinen Gesetze der Strahlung: das Kirchhofs ' sche Gesetz, das Stesfan ' -, Boltzmannsiche und das Wiensiche Verschiebungsgesetz und erläuterte den Begriff und die theoretische Bedeutung des sogenannten absolut schwarzen Körpers. Aus den theoretischen Ausführungen ergab sich für die Ökonomie der Lichtquellen der Satz, daß bei mäßig hoher Temperatur das Verhältnis der sichtbaren Strahlen zu den unsichtbaren Wärmestrahlen sehr ungünstig ist, mit steigender Temperatur aber immer vorteilhaftere Werte erreicht. Bei der Glühlanrpe betragen die Lichtstrahlen nur 6 bis 10 Prozent der Gesamtstrahlung; bei dem BogenlichL, einer der billigsten Lichtquellen, ist der Prozentsatz ( der hohen Temperatur von fast 4000 Grad Celsius wegen) ein weit größerer. Die LenchtLechnik wird daher ihre Verbesserungen in der Richtung verfolgen müssen, daß sie Substanzen sucht, welche erstens die höchsten erzeugbaren Temperaturen aushatten und zweitens, wenn möglich, für viele Arten von Wärmestrahlen kein Aussendungsvermögen besitzen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. Februar 1904, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7415-vortrag-ueber-die-ziele-der-leuchttechnik-mit-demonstration-1904).

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