(Zum Tirolerabend in der Ausstellungshalle. — Ein Mahnwort an unsere SLadLvertretung.) Welchen großen Eindruck der Tiroler Abend, den die Stadt Innsbruck zu Ehren des Deutschen Juristentages veranstaltete, auf ihre zahlreichen Gäste machte, konnten wir Innsbrucker zu unserer Freude und zu unserem Stolze am Tiroler Feste selbst sehen. Nicht minder stolz können wir aus den Trinkspruch sein, den Geheimrat Professor Kahl anläßlich des am 13. d. M. stattgefundenen Bankettes der Stadt Innsbruck widmete. Mit aufrichtiger Freude haben wir erfahren, daß die Veranstaltungen unserer Stadtverwaltung bei unserer: Gästen vollste und wärmste Anerkennung gefunden haben, und daß das Tiroler Fest bei ihnen einer: bleibenden und uns höchst ehrenden Eindruck hinterlassen hat. Daß die Stadt Innsbruck in der Lage war, ihren Gästen ein so glänzendes Fest wie den Tiroler Abend zu bieten, war nur möglich, weil sie über Räumlichkeiten verfügt, die geeignet sind, ein ' e Versammlung von rund 2000 Menschen zu fassen. Die Ausstellungshalle hat sich wieder durch ihre verhältnismäßig zentrale Lage und durch ihre räumliche Ausdehnung sür solche Zwecke glänzend ' bewährt. Das soll heute festgestellt werden, wo wir noch unter dein unmittelbaren Eindruck stehen, den das Stadtfest aus uns alle und zunächst auf unsere Gäste geübt hat; und das gerade heute, weil sich seit einiger Zeit eine Bewegung fühlbar macht, die in vollständiger Verkennung der geselligen Pflichten einer typischen Fremdenstadt wie Innsbruck die Auf- I rss ng der Ausstellungshalle oder deren Verse w. einen örtlich minder geeigneten Platz al ' eot um den Ausstellungsplatz um eines nur sübergehenden finanziellen Vorteiles willen zu parzellieren. Den: Deutschen Juristentage dürsten in den nächsten Jahren der Kongreß der Naturforscher und die Generalversammlung des D. u. O. Alpenvereins folgen; damit wird an Innsbruck neuerdings die Forderung herantreten, würdig zu repräsentieren. Die Bewegung gegen die Ausstellungshalle verkennt aber weiter auch ' die hygienischen Pflichten, die Innsbruck seinen eigenen Bewohnern gegenüber dadurch zu erfüllen hat, daß sie ihnen die Möglichkeit gewährt, auf dem Ausstellungsplatze Winter und Sommersport zu betreiben, denn mit der Entfernung der Ausstellungshalle wird zweifelsohne auch der Platz als Erholungsstätte sür Mt und Jung verschwinden und verbaut werden. Nach der geselligen und nach der gesundheitlichen Seite hin hat sich die Stadt Inns -, bruck ein großes Verdienst erworben durch die Errichtung der Ausstellungshalle; kein geringeres Verdienst wird sie sich erwerben durch die E r h a l tnng derselben am heutigen Standplätze.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 16. September 1904, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7565-mahnung-an-die-sladlvertretung-zur-erhaltung-der-ausstellungshalle-1904).
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