Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KÖNIG UND PFERD IM TODFALL

Sturz des königlichen Wagens beim Rieb mit tödtlichem Ausgang

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 22. August 1854 · Seite 3 · #Verkehrsunfälle
Die steilste Strecke war glücklich zurückgelegt. Doch bei dem sogenannten „ Rieb " ( so beißt hier die Beugung eines Weges) fing der Wagen an sich bedeutend rechts zu neigen. Der König bemerkte es, und rief Halt. Leider zu spät; denn im nämlichen Augenblicke stürzte der Wagen. Der König wollte nach vornehin aus dem Wagen springen, gerieth aber in die unmittelbare Nähe der Pferde. Das übrigens sehr zahme, durch den Sturz über den Zugstrang scheu gewordene Handpferd fing nun an auszuschlagen, und traf mit den zwei Stollen des Eisens am rechten Fuß ( welches, nebenbei erwähnt, der Oberstallmeister und Generaladjutant v. Engel mit sich nach Sachsen genommen hat), das Hinterhaupt des Königs unweit des linken Ohres so stark, daß die Hirnschale in Splitter zersprang. Das geschah dreiviertel auf 10 Ubr. Der Schrecken und Jammer der Anwesenden kann von keiner Feder beschrieben werden - Der König lag besinnungslos am Boden, und wurde nun auf die linke Seite des Weges getragen. Hier scblug er plötzlich die Augen auf und sagte zu seinem Diener: „ Verlaß mich nicht, ich werde dich auch nicht vergessen. " Major v - Zetschwitz lief pfeilschnell hieher zurück, um von Imst den Arzt herbei zu rufen. Er lief so schnell, daß ihn der Postillon erst weit oberhalb des hiesigen Gasthauses einbolte.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. August 1854, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/76-sturz-des-koeniglichen-wagens-beim-rieb-mit-toedtlichem-ausgang-1854).

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