Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KARRNERFAMILIEN AUS DEM WEISSENBACH VERDRÄNGT

Endgültige Vertreibung der Karrner aus dem Weißenbachtal zwischen Hall und Mils

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 18. April 1905 · Seite 4
(Endlich von der Karrnerplage befreit.) Aus Hall schreibt man uns: Bekanntlich schlugen schon seit Jahren in dem bewachsenen Bette des Weißenbaches zwischen Mils und Hall, kaum daß der Schnee verging, mehrere Karrnerfamilien ihr Lager auf, zerrissen die Zäune zum Feuerwachen, besuchten die Kartoffel und Krautfelder und führten dort überhaupt ein sehr freies Leben, was besonders die angrenzenden Bauern zu spüren hatten. Um Abhilfe zu treffen, ließen sowohl der Stadtmagistrat Hall als auch die Gemeinden Mils Tafeln anbringen, womit das Niederlassen von Kärrnern verboten wurde. Darum kümmerten sich die Kärrner aber wenig. Sie rissen die Tafeln einfach herunter, und wurden sie von dem Hallergebiet durch die Polizei verjagt, so gingen sie einfach auf das Milser Gebiet und umgekehrt, oder sie verließen beit Platz und kaum war die Polizei oder Gendarmerie fort, so bezogen sie denselben wieder. Eine Karrnorfamilie, welche nach Hall gehört, baute sich sogar eine Hütte, versah dieselbe mit einer Haus - Nr. ( Nr. 473) und verlebte den Winter dort; kaum war der Boden offen, so machten sie sich daran, ein Stück Land als Frühgarten herzurichten. Ten Magistratsorganen gaben sie einfach zur Antwort, wir gehören nach Hall und gehen nicht fort, ehe uns die Stadt eine andere Wohnung verschafft. Nun konnte man dieselben aber im Armenhause nicht unterbringen, da sie sehr renitent waren und das Karruerweib eine Klosterfrau sogar mit einer Hacke bedrohte. Es blieb also nichts anderes übrig, als ihnen Quartiergeld zu geben und die Hütte durch städtische Arbeiter abzureißen. Wie lange es die Kärrner aber zwischen den vier Wänden aushalten, bleibt sehr fraglich, und die Bauern müssen froh sein, wenigstens einstweilen von ihnen befreit zu sein. Tie nicht Zuständigen wurden verjagt und ihnen mit der Ausweisung gedroht.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. April 1905, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7717-endgueltige-vertreibung-der-karrner-aus-dem-weissenbachtal-zwischen-1905).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Polizei, Gendarmerie & Kriminalität“

BANDE AUS ACHT FAMILIEN IN HAFT

Festnahme einer Zigeunerbande in der Nähe von Völs wegen Diebstahlsverdachtes

Innsbrucker Nachrichten · 6. März 1905 · S. 4 · Polizei, Gendarmerie & Kriminalität

Lebensjahre verschieden (Eine Z i g e u n e r b a n d e,) bestehend aus 8 Familien, wurde am Samstag tu der Nahe von Völs wegen Diebstahlsverdachtes allgehalten und nach Innsbruck eskortiert.. Zwei Familien dieser Bande …

UNTERINNTAL UND ZIGEUNER – KEIN SPUR VON SPÜR

Zigeunerzüge im Jahr 1605 und die Pflichtvergessenheit einiger Amtsleute

Innsbrucker Nachrichten · 24. März 1905 · S. 2 · Polizei, Gendarmerie & Kriminalität

Herr Delcasss kann nach Belieben verkünden, der Zweibund wäre nie nötiger gewesen. sie erließ eine Verordnung, in welcher alle derartigen „ Paßporte " für null und nichtig erklärt * und den Obrigkeiten die strenge Einhal …

PLAGE ZIGEUNER IMMER MEHR

Zigeunerplage im Oberinntal – Diebstähle in Thaur und Stams, Bande in Mötz angehalten

Innsbrucker Nachrichten · 13. Jänner 1904 · S. 4 · Polizei, Gendarmerie & Kriminalität

(Zigeunerplage.) Aus T h aur wird uns berichtet, daß dort eine Zigeunerin, welche beim Krämer Recheis 24 Kronen entwendete, verhaftet wurde. — Auch aus dem Oberinntale kommen Klagen. So zog unlängst eine Bande von 15 Köp …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |