Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
LEBENDIG BEGRAVEN – ABER LEBENDIG GEWOHLN

Lebendiges Kind aus dem Grab geborgen – Scheintodfälle sorgen für Aufregung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 3. Mai 1905 · Seite 1
Lebendig begraben. Von R. Curtius. (Nachdruck verboten, l Größer als die Furcht vor dem wirklichen Tode W im Menschen die Furcht vor dem Scheintod. Mas ist sehr begreiflich, denn es mag wohl eine ganze Reihe von Todesarten geben, in denen der Körper mehr leidet, als wenn er sein Leben erst in der finsteren Grabeskammer verliert. Aber der Gedanke, als Scheintoter begraben zu werden, hat so viel Entsetzliches an sich, und die bloße Vorstellung, im Grabe and > nur auf Minuten zum Bewußtsein zu kommen, deren jede sich zu einer Ewigkeit dehnt und eine Hölle von Qual bedeutet, ist so furchtbar, daß die Menschheit sich immer Wieder mit dem Scheintod und den Mitteln, ihn sicher zu erkennen, beschäftigt. Es ist noch nicht lange her, daß zu Ebnatte in der Oberpsalz die neunjährige Tochter eines Musikanten bestattet wurde. Der Totengräber hatte nach Beendigung der Trauerseierlichkeit etwas Eiliges zu tun und verließ das offene Grab. Bei seiner Rückkehr fand er den Sargdeckel ausgehoben und das Kind auffällig verfärbt. Er war klug genug, sein trauriges Geschäft nicht fortzusetzen, sondern die Eltern des Mädchens zu benachrichtigen. Die Ärmste wurde aus dem Grabe herausgeholt und nach vielstündigen Bemühungen in der Tat ins Leben zurückgerusen. Ein noch krasserer, ebenfalls beglaubigter Fall ereignete sich im Sommer 1899 in einem ungarischen Orte. Der vermeintliche Tote, den man im Leichenhause aufgebahrt hatte, erwachte nachts und kehrte im Leichenhemde in seine Behausung zurück, nicht ohne daß zuvor der über deu entstandenen Lärm herbeigeeilte Totengräber und einige andere Menschen vor Schreck in Ohnmacht gefallen wären. Im Volke laufen natürlich eine Menge der abenteuerlichsten Spukgeschichten über Fälle von Scheintot um, und auch von den unter der Rubrik „Vermischtes " berichteten Begebenheiten mag immerhin ein ziemlicher Teil auf freier ( snfmfcmtig beruhen. Aber ab und zu ereignet es sich doch, daß ein Mensch in der drohenden Gefahr schwebt, lebendig begraben zu werden oder wirklich das Entsetzliche erleiden muß.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Mai 1905, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7733-lebendiges-kind-aus-dem-grab-geborgen-scheintodfaelle-sorgen-fuer-1905).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Kuriositäten & Alltagsleben“

GEISTIGE WITWE UMARMTE FALSCHEN MANN

Aufregender Vorfall in der Wiltener Pfarrkirche durch eine geistesgestörte Witwe

Innsbrucker Nachrichten · 10. Jänner 1905 · S. 4 · Kuriositäten & Alltagsleben

(Eine Geistesgestörte in der Kirche.) Die „ N. T. St. " berichten unterm 9. d. Mts. Ein aufregender Vorfall spielte sich heute in der -Wiltener Pfarrkirche unmittelbar nach dem Be gräbnisgottesdienste für Herrn Hilssämte …

NACKTE FLUCHT IM EVAKOSTÜM

Nächtliche Wanderung in Evakostüm einer wahnsinnigen Frau von Lauterbach nach Sonnwiesen

Innsbrucker Nachrichten · 7. Februar 1905 · S. 4 · Kuriositäten & Alltagsleben

(Eine zweistündige Wanderung im Evakostüm.) Aus Brixen im Tale wird uns unterm 6. d. M. gemeldet: Heute Nacht wußte sich eine wahnsinnige Frau aus Sonnwiesen, welche in einem Hause zu Lauterbach in Pflege war, unbemerkt …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |