Sonntag 11. A H. Pfingstsonntag. _ Jugendfürsorgeverein für Tirol. Der Landeshauptmann hat folgendes Rundschreiben an alle Gemeinden Tirols gerichtet: Der Jugendfürsorgeverein für Tirol hat vor kurzem sein erstes Vereinsjahr beendet und hat itt einem sehr umfangreichen Berichte die Resultate seiner Tätigkeit der Öffentlichkeit übergeben. Je erschreckender mitunter die in diesen Zeilen entrollten Bilder auf den Leser wirken und je mehr die Verwahrlosung unserer Jugend nachgerade schon als öffentliche Plage von den Gemeinden und einzelnen Personen gefühlt wird, umso dankbarer muß die ganze Öffentlichkeit jenen Männern sein, welche einen Verein ins Leben gerufen haben, dessen hauptsächlichstes Ziel es ist, sich der verwahrlosten Jugend anzunehmen, sie zu erziehen und auf diese Art sie vor völligem Verderben und Untergänge zu bewahren. Dieser Verein hat im ersten Jahre schon 190 verwahrloste jugendliche Personen auf seine eigenen Kosten untergebracht, einen großen Teil in Familien auf dem Lande, 75 Kinder aber in öffentlichen Erziehungsanstalten. Es versteht sich wohl von selbst daß insbesonders die letztere Vorsorge gewaltige Mittel erheischt, da die Verpflegskosten in den Anstalten. meist recht ansehnliche sind. Nun ist aber dieser Verein selbst wieder auf die Mildtätigkeit seiner Mitglieder angewiesen und hätte trotz der außerordentlich segensreichen und allseits anerkannten aufopferungsvollen Tätigkeit vielleicht schon im ersten Jahre schlechte Erfahrungen finanzieller Natur machen müssen, wenn nicht öffentliche Faktoren ihm hilfreich unter die Arme gegriffen hätten. Selbstredend könnte eine solche Unterstützung nicht durch längere Jahre hindurch und nicht in so großem Ausmaße in Hinkunft ersolgen, da damit höchstens der Zweck erreicht sein will, dem Vereine über die schweren Gründungsjahre hinauszuhelfen. Wer aber nicht nur ein gewaltiges Interesse an denr ferneren Gedeihen und Wirken dieses edlen Vereines, sondern auch die direkte Pflicht zur Unterstützung desselben hat, das sind die Gemeinden, weil diesen der Verein durch seine privaten Wohltaten einen Teil ihrer ihnen nach dem Gesetze obliegenden Verpflichtungen abnimmt. Diese verwahrlosten Geschöpfe würden mit Sicherheit — falls der Jugendfürsorgeverein sich ihrer nicht annähme — den Heimatsgemeiuden zur Last fallen durch anerlaufende Unterhalts -, Spitals und Schubkosten, sie würden aber ihrer Gemeinde auch noch weit größere Verdrießlichkeiten und Schande bereiten, da in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle diese Individuen auf der breiten Straße des Verbrechens endigen und dann nach Abbüßung ihrer Strafen von einer Zwangsarbeitsanstalt zur anderen wandern. Ein indirekter Nutzen erwächst aber auch noch insbesondere den Landgemeinden, weil der genannte
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. Juni 1905, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7763-erste-erfolge-des-jugendfuersorgevereins-fuer-tirol-nach-einem-jahr-1905).
(Oberst von G a st e i g e r t -) Wie bereits gestern kurz gemeldet wurde, starb hier am Sonntag der in den weitesten Kreisen bekannte und ob seines leutseligen Wesens und offenen Charakters allseits beliebte und geachte …
(Beisetzung.) Aus Kitzbühel wird den „ N. T. St. " unterm 16. d. M. gemeldet: Am 14. Jänner schloß sich im hiesigen Ortsfriedhof das Grab über eine teure Leiche. Reichsgras Karl von Lamberg, der Herr auf Schloß Kaps und …
In Silz verschied gestern nachts nach langem Leiden Herr Karl Moriz Edler von M o r i z b u r g, Assistent der k. k. Staatsbahnen, im 42. Lebensjahre. Der Verblichene wird nach Innsbruck überführt und auf dem städt. …
(70. Geburtstag.) Heute feiert der ehemalige erste Präsident des Landeskulturrates Dr. Julius Freiherr Riccabona v. Reichenfels seinen 70. Geburtstag. Gestern, als am Vorabende wurde das Fest in der Familie begangen. Kin …
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