Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MILCHPREISERHÖHUNG SELBST VERÖFFENTLICHT

Plakatmäßige Bekanntgabe der Milchpreiserhöhung auf 22 Heller ab 1. November

Rücksichten, die Aufnahme einer Veröffentlichung des Milchausschlages und dessen begründeten Ursachen verweigerte, sehen sich die Milchprodnzenten genötigt, den Aufschlag auf diese Weise in die Öffentlichkeit zu bringen. " Die Schriftleitung verweigerte die Aufnahme dieser Mitteilung aus naheliegenden Gründen, die man wirklich „volkstümliche " nennen darf, und erklärte dem Überbringer der Nachricht, sie werde im Gegenteile gegen bie Milchpreiserhöhung Stellung nehmen. Weiter teilt das Plakat mit, daß schon lange Zeit die Stadt und Umgebung das Gerücht durchfliege, daß sich der Milchpreis erhöhe und zwar von 20 auf 24 Heller pro Liter. Dazu haben, wir gu bemerken, daß es sich dabei nicht um ein bloßes Gerücht handelte, sondern daß „ Das Komitee" diese große Erhöhung in der uns vorgelegten Kundmachung in Aussicht genommen hatte und erst nach unserer Aufnahmeverweigerung auf ' 22 Heller herabging. Dies sei, wie das Plakat weiter aussührt, „ aus verschiedenen anderer: und namentlich ans Rücksichten auf ärmere Volksklassen beschlossen worden ". Diese „ verschiedenen anderen Rücksichten ", die so dunkel und geheimnisvoll angedeutet werden, sind nämlich angeblich: die hoher: Löhne der Dienstboten und die Höhe der Viehpreife. Die Dienstbotenlöhne haben sich in letzter Zeit! nicht erhöht, die Viehpreise spüren wir genügend, jedenfalls mehr als die Milchproduzenten, bei unserem Rindfleisch. Das Bestreben der Milchprodnzenten geht dahin, die Milchpreise über die Höhe hinaufzuschrauben, welche sie sogar in Großstädten und Weltkurorter: haben. Es ist bezeichnend, daß sie sich nicht getraut haben, die „ Rücksichten ", welche sie dazu bewogen haben, auf dem Plakate deutlich anzugeben. Sie diktieren einfach und dekretieren wie absolute Herrscher. „Es diene hiemit zur allgemeinen Kenntnis der Bewohner von Innsbruck, Pradl, Höttlng und Mühlau, daß ab 1. November 1905 ein Liter Vollmilch 22 Heller kostet, auch der Preis der Magermilch wird sich bcmn dementsprechend um 1 Heller pro Liter erhöhen. " Wir wollen den Lesern als Ergänzung dieses Satzes mitteilen, daß wir von Neujahr an die neue ' Preiserhöhung ans 24 Heller zu gewärtigen haben, wenn wir uns die erste ruhig gefallen lassen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. Oktober 1905, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7883-plakatmaessige-bekanntgabe-der-milchpreiserhoehung-auf-22-heller-ab-1905).

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