Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DIE LETZTEN STROPHEN SEINES LEBENS

Verlust eines Jungtiroler Dichtersterns – Anton Renk starb im Frühling seines Lebens

Anton Renk f. Einer der liederreichsten und lichtfreudigsten Säuger aus Jungtirols Dichterwald ist für jimmer verstummt. Unser allbeliebter, vaterländischer Dichter Toni Renk ist gestern sanft Entschlafen. Fm Sommer des vergangenen Jahres warf ihn bekanntlich eine schwere Lungen und Rippenfe ' llenentzündnrtg auf das Krankenlager; er genas zur großen Freude seiner zahlreichen Freunde' lunb Verehrer wieder, aber die Folgen jenes ,Tückischen Leidens wollten doch nicht ganz verschwinden. Vor einigen Tagen erkrankte er wieder sehr schwer; bei der liebevollen Pflege, Iwelche ihm seine beiden treubesorgten Tanten And sein Onkel zukommen ließen, hoffte man Nochmals auf Genesung, leider vergebens. Gestern nachmittag um 4 Ithr entriß der unerbittliche Tod ihn im Alter der besten Schaffenskraft unerwartet ' schnell uns für immer. Anton Renk war am 10. September 1871 hier in Innsbruck geboren. Er war der Enkel -Anton Wallners, jenes Volkshelden von 1809, in Hern. das Land Salzburg seinen Andreas Hofer besitzt und verehrt. Frühzeitig der Eltern durch den Tod beraubt, kam der kleine Toni in die Obhut seiner Tanten Angelika Renk und Theresia Eberhart und seines Onkels des akad. 'Bildhauers Cberhart, welche in liebevollster Meise ihn anfzogen. Toni Renk besuchte das Mesige Gymnasium, wo er einer der besten Schüler war, und studierte dann an der hiesigen Universität und an jener in Wien und Zürich Philosophie. Nach Absolvierung derselben war er einige Zeit Supplent in Bozen, widmete sich dann aber ganz dem Schriststellerberuse, der seinem Freiheitsdrange am Besten zusagte. I Eine Würdigung des Dichters Renk müssen wir .uns _ orbehalten. Hier seien nur seine hanpt-! sächlichsten Werke angeführt. Zunächst erschien !,im Jahre 1894 ein Band Gedichte unter dem Titel „ Ranken ". In den folgenden Jahren.. kamen dann heraus die Novelle „ Küsse ", die Dramen „ Die Schneekönigin " und „ Ins neue Land ", die kulturgeschichtliche Monographie „ Fm obersten ' Jnntal ", ferner „ Von der Feiertig- !schul bis Hoachzatroas ", „ Ein Narr ", „ Pax Ivobiscum ", „ Unter zwei Sonnen ", „ Tod in den -Alpen ", „ Tiroler und Buren ", „ Über den Firjtteu, unter den Sternen ". Außerdem schrieb >Renk, noch eine große Anzahl van Aufsätzen kulturhistorischen Inhalts, die in den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften Österreichs und Deutschlands erschienen, nicht zu gedenken zahlreicher Novellen und Skizzen, die bisher noch > unveröffentlicht sind. ( Zahlreiche Beiträge von !ihm brachte unser Blatt.) • Renks Dichtercharakter ist am kürzesten dargestellt, wenn wir sagen, daß er wesentlich Lyriker war, auch in seinen Novellen und Einaktern, ein Lyriker, der sich mehr der rhetorischen Mrt Freiligraths näherte, als etwa der Uhlands, mit dem er andererseits die Einfachheit der Form gemein hatte.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Februar 1906, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7933-verlust-eines-jungtiroler-dichtersterns-anton-renk-starb-im-1906).

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