Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KEIN GLAUBEN AN DEN TOD

Todesfall: Verlust eines angesehenen Musikers und Chormeisters Peter Hepperger

(Todesfall.) Gestern früh ist hier der aus Girlan gebürtige Studierende der Medizin Peter Hepperger im Alter von 39 Jahren gestorben. Er war ein bekannter Musiker; durch einige Zeit leitete er den Kirchenchor der Höttinger Pfarrkirche, und war zuletzt Leiter des Sängerbundes „ Eintracht ", mit welchem er bei Sängersahrten in die Schweiz und nach Meran bedeutende Erfolge erzielte. Beim Innsbrucker Salonorchester wirkte er als Klavierspieler. — Hepperger hatte sich in der vorigen Woche bereits durch zwei Tage unwohl gefiihlt, euüschloß sich aber am Samstag abend doch, seiner Pflicht Äs Chormeister nachzukommen und die Probe zu leiten. Ehe er sich dorthin begab,' kehrte er auf ganz kurze Zeit beim Burgriesen " zu, wo er Stammgast war. Tort fiel er plötzlich ohnmächtig vom Stuhle. Wie später sestgestellt wurde, hatte ihn ein Ge Drusch lag getroffen. Uns wird nun erzählt, der Wirt habe an ein ernsteres Unwohlsein nicht geglaubt und bloß veranlaßt, daß ein Wachmann! geholt wurde. Dieser habe nun mit Hilfe von Dienstmännern den Erkrankten in einen Wagen gebracht und ihn in seine Wohnung in der Stafflerstraße geführt. Tie Zimmerfrau ließ einen Arzt holen, welcher die schwere Erkrankung erkannte und zugleich ' erklärte, daß ein Transport ins Spital, wo der Kranke die richtige Pflege hätte, unmöglich sei. Hepperger erwachte vorübergehend aus seiner Bewußtlosigkeit und vermochte selbst den Hergang zu erzählen; gestern früh ist er trotz der Bemühungen des Arztes an den Folgen des Schlagansalles gestorben. — Es ist möglich, daß der nun Verstorbene noch zu retten gewesen wäre, wenn man ihm sofort ärztliche Hilfe verschafft und ihn mit der in einem so schweren Krankheitsfalle gebotenen Schonung ins Spital befördert hätte. Es wäre also angesichts dieses Falles der Sicherheitsbehörde eindringlich nahezulegen, daß bei Erkrankungen ein Wachmann, außer der etwa nötigen sofortigen ersten. Hilfe an Ort und Stelle keine Anordnung ohne Befragung eines Arztes treffen sollte.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. April 1906, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7956-todesfall-verlust-eines-angesehenen-musikers-und-chormeisters-peter-1906).

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