Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WANDERWEG WIRD WASSERLEITUNG

Beschreibung der neuen Trinkwasserleitung in Absam und ihrer Quellen im Bettelwurfstock

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 26. Juli 1906 · Seite 6 · #Trinkwasserversorgung
Zur., k. k. Bezirtsrichter i. R. in Meran. Die neue Trinkwasserleitung in Absam. Wenn wir vom hübsch gelegenen Dorfe Absam aus nordwärts dem Bäche entlang gehen, gelangen wir an der Spinnfabrik Herbnrger und Rhomberg und dem Schloßhügel von Melaus vorüber, allnrählich ansteigend, bald aus dem Bereiche der sauber gehaltenen Häuser und Gärtchen auf eine freie Weidefläche, von der aus man einen entzückend schönen Blick auf das Jnntal und die Stubaier Gletscher genießt. Auf diesem Weideplatz ' linkerhand am Wege erhebt sich der rasenüberdeckte Bau des Hochdruck¬ Nr. 169. Seite 5. v behälters ( Reservoir) der neuen Trinkwasftrleitung unserer Gemeinde. Wir gehen am Reservoir vorüber, überschreiten beim Schleußenwerke der Spinnfabrik die linke Brücke, wenden uns dann gegen Nordwesten und erreichen am Fuße des „ Runstes" über Weidegrund dahinwandernd, bald den „Hacklhof " und zugleich die gut erhaltene Salzbergstraße, die uns dem Halttale zuführt. Nach ungefähr zwanzig Minuten Wanderung halten wir an der „ Heinrichs - Kapelle ", dem ehrwürdigen Wahrzeichen alter Bergfreiheit kurze Rast, um nochmals unser Auge zu weiden am Jnntale und seinen Bergen und an den sanften Lohen des Gnadenwaldes, die sich zu unserer Linken gegen das Tal hin dehnen. Tann setzen wir den Weg fort; bald gelangen wir zwischen die schroffen Wände des Halltales, die nur dem tosenden Bach und der Straße Raum gewähren, und in wenigen Minuten erreichen wir eine Stelle, wo sich das Landschaftsbild gänzlich ändert. Tie sonnigen weiten Gefilde des Jnntales grüßen nur mehr in einein schmalen Ausschnitte herein; wir stehen mitten in der ernsten Hochgebirgswelt, hart am Fuße des gewaltigen Bettelwurfstockes und dort, wo links am Wege das „ Bettelwurfbrünul " zur Rast einladet, öffnet sich rechts rulissenartig eine Schlucht, am Grunde aus gefüllt von einem mächtigen Schuttkegel, der bis zum Bache abfällt. Hier ist der Ursprung der Quellen, welche unser Torf Absam, die Nachbarstadt Hall und die k. k. Saline schon durch Jahrhunderte mit Trinkwasser versorgen. Erst vor einigen Jahren wurden diese Quellfassungen repariert, um mehr Wasser zu gewinnen und sie vor Verschüttung durch Lawinen zu sichern. Absam leitete früher das unentbehrliche Naß recht und. schlecht mittels Holzröhren zu Tal, die, fast auf der ganzen Strecke an der Oberfläche des Bodens liegend, den Einflüssen der Witterung und anderen Beschädigungen schutzlos
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. Juli 1906, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8020-beschreibung-der-neuen-trinkwasserleitung-in-absam-und-ihrer-1906).

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