Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GLASMEISTERWERK IM HEILIGEN LANDE

Einsendung eines tirolischen Glasmosaikbildes in der Hospizkapelle zu Jerusalem

* (Tiroler Kunsthandwerk im heiligen Lande.) Wie aus Jerusalem gemeldet wird, ist dort anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers irr der Hospizkapelle ein feierlicher Gottesdienst abgehalten worden. Nach demselben wurde ein herrlichies Glasmosaikbild seier - lich eingesegnet und in einer kurzen Ansprache die Bedeutung desselben dargelegt. Das Mosaikbild ist eine hochherzige Spende des Palästinapilgervereines der Diözese Brixen und gereich^ der schönen Hauskapelle zur größten Zierde. Von der Tiroler Glasmalerei und Mvsaikanstalt ausgeführt, wurde dasselbe von der zweien bayerischen Bolkswallfahrt am 23. Juli nach Jerusalem gebracht und soeben von einem, eigens von der Mosaikanstalt gesendeten Arbeiter an der zirka 18 Quadratmeter großen! Wand fläche gut und schön eingesetzt. Das Bild sollte an die Pilgerzüge der Monarchie von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart erinnern die Ausführung dieser Idee ist prächtig gelnm gen und gereicht dem Künstler A. Siber, der den Entwurf lieferte, sowie der tirolischen Mo - ' saikanstalt zur größten Ehre. Im Hintergründe erstrahlt die Stadt Jerusalem im Sonnenglanze mit ihren Mauern und Türmen, gelegen auf Bergeshvhe. IM Vordergrund ist in der Mitte die hehre Gestalt des Kaisers Franz Joseph sichtbar; ein knieender Page zu Füßen des Kaisers trägt auf einem Polster die Kronen Österreichs und. Ungarns. Zu beiden Seiten des Kaisers stellen zwei Hauptgruppen die. Pilger der Vergangenheit und Gegenwart dar. Trr der äußersten Linken befinden sich der HL. Hieronymüs und der hl. Thiemo, Erzbischos von Salzburg; letzterer ist als Märtyrer iM heil. Lande gestorben. An diese beiden würdigen Vertreter Ms vergangenen Zeiten reihen sich. drei Ritter als Vertreter der geistlichen Ritterorden, welche zur Zeit der Kreuzzüge ent - ^ standen sind und sich um die heiligen Stätten große Verdienste erworben haben. Die linke Gruppe schließt ab mit dem König Andreas II. von Ungarn und dem Herzog Leopold Von Österreich mit seinem Bannerträger, dem „ alten Pilichsdorfer "; diese beiden edlen Fürsten haben auch einen Krenzzug unternommen und einen glänzenden Sieg hei Damiette 1219 über die Türken erfochten. Im schönen Kontraste steht die rechte Hauptgruppe mit ihrem friedlichen! Gepräge. Den Reigen eröffnet ein biederer Tiroler als Kreuzträger,. ihm zunächst folgt der um das heilige Land so hochverdiente Herr Oberst Himmel von Agisburg, der Heerführer der friedlichen Kreuzzüge der Gegenwart, demj es gelungen ist, in jüngster Zeit tausende von frommen Pilgern und Pilgerinnen an die heiligen Stätten der Erlösung zu führen; nun .folgen Pilger und Pilgerinnen aus Tirol, Oster -! reich, Mähren, Galiziert, den Ländern, welche Volkswallfahrten nach dem heiligen Lande enL - ^ sendet haben. Das ganze Bild ist meisterhaft komponiert, ein bleibendes Denkmal der Lieds Österreichs zum heiligen Lande.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. September 1907, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8250-einsendung-eines-tirolischen-glasmosaikbildes-in-der-hospizkapelle-1907).

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