Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HOFER IM BLUTIGEN ANDENKEN

Andenken an Andreas Hofer anlässlich der fünfzigjährigen Todtenfeier seiner Ermordung

Andreas Hofer. Zur fünfzigjährigen Todtenfeier seiner Ermordung. (20 Februar.) Zu Mantua in Banden Der treue Hofer war. In Mantua zum Tode Führt ihn der Feinde Schaar Es blutete der Brüder Herz, Ganz Deutschland, ach! in Schmach und Schmerz, Mit ihm das Land Tirol. — So klingt das schöne Lied des schwer erkrankten Julius Mosen zum Andenken des unsterblichen Volkshelden von Tirol, der vor fünfzig Jahren, am 20. Februar 1810, von den Franzosen auf den Wällen von Mantua erschossen wurde und mit seinem Blute seine Treue für das Haus Oesterreich besiegelte. Wenn man aus der Wanderung durch das schöne Tirol in das ernste Passeier- Ihal tritt, auf das der hohe Jausen, der Mons Jovis der Römer, melancholisch niederschaut: so gelangt man auf steinigem, zerrissenen Pfade zu einem Hause von zwei Stockwerken, mit einer Doppelgallerie geziert. Dort wohnte der Sandwirth Andreas Hofer mit seiner treuen Ehefrau Anna Ladurner. Als im Jahre 1805 Kaiser Franz nach dem unglücklichen Kriege sich durch Napoleon gezwungen sah, Tirol an Baiern abzutreten, da war Andreas Hofer unter den Abgeordneten seines Thales, von denen der geliebte Erzherzog Johann zu Brunecken einen rührenden Abschied nahm. Seitdem hatte der Sandwirth keinen andern Wunsch, kein anderes Gebet, als seinen alten Herrn wieder in Tirol zu sehen. Vor dem Ausbruche des neuen Kampfes im Jahre 1809 ging er mit mehreren seiner Landsleute nach Wien, um dort mit dem Erzherzog Johann im Geheim den Aufstand des Landes zu verabreden, der sich im Stillen vorbereitete. Reich an Versprechungen kehrte er in die Heimat zurück, wo er Alles zum Ausbruch vorbereitete. Auf das von Wien gegebene Signal erhob sich plötzlich das ganze Land wie ein Mann. Allen voran zog der Sandwirth Hofer; auf der Ebene des Sterzinger Mooses griff er die Baiern muthig an. Der verderblichen Wirkung ihrer Geschosse begegnete er durch vorgeschobene Heuwagen, hinter denen geborgen seine Schützen ihre mörderischen Kugeln sandten. Dort war es, wo eine muthige Bauerndirne sich auf die durch das Kanonenfeuer scheu gemachten Pferde schwang und unter lautem Jauchzen den ungeheuren Wagen lenkte. Zahllose Feinde bedeckten den blutigen Boden und die Ueberlebendeu mußten die Waffen strecken. In achtundvierzig Stunden waren die Baiern aus Tirol vertrieben und Innsbruck befreit. Unter lautem Jubel hielten die Sieger ihren Einzug und grüßten den österreichischen Adler mit ihren Thranen und heißen Küssen. „ Gelt! " rief ihm ein alter Bauer zu, „ du Saggra - Schwanz, sein Dir halt doch die Federn
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. Februar 1860, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/831-andenken-an-andreas-hofer-anlaesslich-der-fuenfzigjaehrigen-1860).

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