(Eine moderne Bäckerei.) In unserer Stadt bestehen gegenwärtig mehrere moderne Danlpfbäckereten. Hosbackermeister Gemeinderat Erhärt hat gestern die Vertreter der Presse zu einer Besichtigung seiner erst vor 14 Tagen fertiggestellten Dampsbückerei - Anlage eingeladen. Der große, unter der Erde gelegene Raum ist vollständig neu hergerichtet und in hygienischer Beziehung einwandfrei. Die Wände sind mit Terrazzotafeln versehen, die maschinelle Einrichtung ist handlich und einfach. Ein Motor von drei Pserdekrästen treibt zwei Knetoder Mischmaschinen, welche das bisher übliche Mischen und Kneten des Teiges mit der Hand unnotwendig nrachen. Mehl und Wasser werden im Behälter durch einen ovalen, durchbrochenen Mischslügel, der vom Motor betrieben wird, gut vermengt. Der Behälter ist fortwährend in rotierender Bewegung. In wenigen Minuten — früher brauchte man völlig eine Stunde — ist die Mischung vollzogen und der Teig zum Backen vorbereitet. Der Backofen wurde nach der Erfindung des englischen Chemikers Perkin von der Firma Werner und Psleiderer in Wien hergesteklt. Der Ofen besitzt drei Backräume, zwei sür Brot, einen für seine Bäckereien. In dem Backraume lausen in dichten Reihen schmiedeiserne Röhren, die mit Wasser gefüllt sind und durch Dampserzeugung die zum Backen nötige Hitze geben. Die Röhren sind an beiden Enden geschlossen und ragen mit einem Ende ein Stück weit in einen abgesonderten Heizraum hinein, wo diese Enden durch Kohlensener erhitzt werden. Das Wasser in den Röhren wird dadurch zum größten Teile in Dampf umgewandeLt. Um beim Brote ' die notwendige Farbe, bezw. den Glanz zu erzielen, kann durch eine KaltwasserleiLung jederzeit dem Backraume kaltes Wasser Angeführt werden, durch welches in dem heißen Raume d « ^ nötige Dampf entsteht. Am Ofen ist auch ein Pyrometer angebracht. Der höher gelegene Backraum sür seine Bäckereien besitzt keine Röhren, er empfängt die Hitze sozusagen unentgeltlich von den beiden anderen Backrüu? men im Ofen. Der Vorteil dieser modernen Ofen liegt in der außerordentlich leichten Bedienungsweise und Ln dem geringen Verbrauch von Brennmaterial. Die Herstellung derselben erforderte einen Kostenauftoand von rund 12. 000 Kronen. In dem großen Werkstättenraume ist ferner ein guter, unrsangreicher Ventilator angebracht. In den Nebenlokalen befinden sich ein Brausebad für die Arbeiter und das Mehllager.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 8. Februar 1908, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8325-besichtigung-der-neuen-dampsbueckerei-des-gemeinderats-erhaert-in-1908).
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